«Wieso nicht darüber reden, dass die Flüge pro Person begrenzt werden?»: SP-Marti streitet mit SVP-Dettling über das Klima

SVP-Präsident Marcel Dettling und SP-Fraktionschefin Samira Marti vertreten die politischen Pole der Schweiz. Sie haben sich an einen Tisch gesetzt, um über Klimaanlagen, Putin und die Zukunft der Schweiz zu debattieren. In einem Punkt sind sie sich erstaunlich einig.

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«Wieso nicht darüber reden, dass die Flüge pro Person begrenzt werden?»: SP-Marti streitet mit SVP-Dettling über das Klima

Interview

«Wieso nicht darüber reden, dass die Flüge pro Person begrenzt werden?» – «Typisch SP. Der Präsident fliegt in die Ferien, aber die Partei fordert Flugverbote»: Die Chefs von SVP und SP streiten sich im Hitzesommer

SVP-Präsident Marcel Dettling und SP-Fraktionschefin Samira Marti vertreten die politischen Pole der Schweiz. Sie haben sich an einen Tisch gesetzt, um über Klimaanlagen, Putin und die Zukunft der Schweiz zu debattieren. In einem Punkt sind sie sich erstaunlich einig.

01.08.2026, 21.53 Uhr

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Sie streiten, sticheln und lachen auch einmal: Samira Marti von der SP und Marcel Dettling von der SVP im Gespräch.

Sie streiten, sticheln und lachen auch einmal: Samira Marti von der SP und Marcel Dettling von der SVP im Gespräch.

Herr Dettling, diese Woche war es in der Schweiz bis zu 39 Grad heiss. Sie haben uns vor zwei Jahren in einem Interview gesagt, die Klimaerwärmung sei nicht schlecht für die Bauern. Ist das immer noch Ihr Ernst?

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Dettling: Die Klimaerwärmung ist nicht nur schlecht. Die Vegetationsperioden reichen mittlerweile bis in den November. Dadurch können wir in normalen Jahren mehr ernten.

Bei Ihren Berufskollegen tönt es anders. Vielen geht wegen der Trockenheit das Futter aus, manche müssen ihre Tiere notschlachten.

Dettling: Dieses Jahr ist es tatsächlich extrem heiss und trocken. Wir müssen jetzt Geld investieren, um besser mit der Hitze leben zu können. Wir sollten zum Beispiel in den Alpen Wasserspeicher bauen. Aber ich sehe schon, wie sich links-grüne Umweltschützer dagegen wehren, weil es dafür Beton braucht.

Frau Marti, wie dramatisch ist die Situation bei Ihren Balkontomaten?

Marti: Die Tomaten finden die hohen Temperaturen toll. Aber im Ernst: Ich komme aus dem Baselbiet, wo es viele Bauernbetriebe gibt. Wenn ich durch den Kanton fahre, sehe ich eine Landschaft wie in Südeuropa: gelbe Felder überall. Die Wissenschaft warnt schon lange vor dem Klimawandel – aber die Rechten haben sich immer gegen Massnahmen gesträubt. Nun müssen wir einen Umgang mit der Hitze finden.

Also Klimaanlagen für alle?

Marti: An erster Stelle kommt der Schutz der Verletzlichsten, etwa der Senioren. Es kann aber auch nicht sein, dass Lehrpersonen ihre Schulkinder bei 40 Grad unterrichten müssen. Da braucht es dringend bauliche Massnahmen, nötigenfalls Klimaanlagen. Das darf kein Tabu mehr sein. Aber es ist nie zu spät für Klimaschutz, wir müssen noch stärker in erneuerbare Energien investieren.

Dettling: Ich stelle fest: Es gibt nicht nur den Klimawandel, sondern bei der SP auch den Klimaanlagenwandel. Die Linken haben sich ja in den Städten bislang massiv gegen Umbauten gewehrt. Bei älteren Häusern gibt es derart viele Vorschriften, dass der Einbau einer Klimaanlage praktisch unmöglich ist. Für uns ist klar, dass es jetzt eine Offensive für Klimaanlagen braucht. Man muss den Einbau dringend erleichtern.

Klimaanlagen brauchen viel Energie.

Dettling: Wir haben ja Strom im Überfluss! Wegen der staatlich geförderten Solaranlagen haben wir im Sommer so viel Energie, dass wir gar nicht wissen, wohin damit. Es wäre doch optimal, wenn wir den Solarstrom für Klimaanlagen nutzen.

Marti: Jetzt wird die SVP plötzlich zur Solarpartei.

Herr Dettling, Sie sprechen nur von der Anpassung. Ist die Bekämpfung des Klimawandels für die SVP gar kein Thema?

Dettling: Der Mensch hat einen Einfluss auf die Umwelt. Aber er kann den Klimawandel nicht aufhalten.

Marti: Heisst das jetzt, dass es deiner Meinung nach den menschengemachten Klimawandel gibt oder nicht?

Dettling: Wir haben ja nie bestritten, dass es den Klimawandel gibt. Was mich stört, ist, dass man den Menschen haufenweise Geld aus der Tasche zieht und behauptet, ihn so aufhalten zu können. Das ist Scharlatanerie. Der Bevölkerung werden mit CO2-Abgaben Milliarden abgeknöpft, und trotzdem wird es heisser.

Marti: Ich finde es stossend, dass immer noch Ausflüchte gesucht werden, um nichts zu tun. Die Menschen leiden. Und du nimmst es nach wie vor nicht ernst.

Dettling: Wenn wir alles umsetzen, was du forderst, um wie viel Grad würde die Temperatur in der Schweiz dann sinken?

Marti: Vor elf Jahren hat sich die Weltgemeinschaft inklusive der Schweiz im Pariser Klimaabkommen verpflichtet, dass die Temperatur im besten Fall nur um 1,5 Grad steigen soll, höchstens um 2 Grad. An diesem Ziel ist man vorbeigerasselt. Nicht meinetwegen, sondern wegen der Marcel Dettlings dieser Welt.

«Wenn man das Gefühl hat, alle Nachbarn fliegen nach Kreta, nur ich verzichte, frustriert das»: Die Baselbieter SP-Nationalrätin Samira Marti.

«Wenn man das Gefühl hat, alle Nachbarn fliegen nach Kreta, nur ich verzichte, frustriert das»: Die Baselbieter SP-Nationalrätin Samira Marti. 

Die Appelle von links scheinen bei den Leuten nicht zu verfangen. Der Flughafen Zürich vermeldet Rekorde.

Marti: Die Bevölkerung hat sich klar hinter die Energiestrategie und das neue Stromgesetz gestellt. Aber sie hat ein Bedürfnis nach Gerechtigkeit, auch in der Klimapolitik. Wenn man das Gefühl hat, alle Nachbarn fliegen nach Kreta, nur ich verzichte, frustriert das. Darum funktionieren die liberalen Konzepte nicht. Das Verhalten lässt sich nicht über den Preis steuern, wenn Superreiche sich alles kaufen können. Wir müssen bei den Exzessen ansetzen: Kerosin besteuern, die Vielfliegerei bekämpfen, etwa mit Alternativen wie Nachtzügen. Und wieso nicht darüber reden, dass die Flüge pro Person begrenzt werden?

Wie bitte?

Marti: Es braucht eine Diskussion darüber, warum Privatjets von Bern nach Wien fliegen. Die Leute ärgern sich, wenn sie sehen, dass Superreiche durch Europa jetten, während die Rechten kein Geld für Nachtzüge ausgeben wollen.

Dettling: Typisch SP. Ihr Präsident fliegt für mehrere Wochen nach Vietnam in die Ferien, aber die Partei fordert Flugverbote.

Wir sehen, Sie werden sich nicht einig. Die Klimadebatte steht beispielhaft für die Polarisierung der Politik. Der Ton wird gehässiger, Kompromisse seltener. Macht Ihnen das nicht Sorgen?

Marti: Doch. Exemplarisch sieht man das bei der AHV. Das Volk hat an der Urne die 13. Rente beschlossen. Im Parlament haben wir monatelang um deren Finanzierung gerungen, doch die SVP verweigerte sich jeglicher Lösung. Sie will die AHV lieber ausbluten lassen, um Druck zu machen für eine Erhöhung des Rentenalters.

Dettling: Wir waren doch bei der Polarisierung? Sie sehen, da werden wir von links sofort mit Vorwürfen eingedeckt. Aber ich finde die Polarisierung nicht schlimm – das gehört zur Demokratie. Was die Schweiz auszeichnet, ist, dass wir tagsüber im Parlament austeilen, aber am Abend gelegentlich ein Bier zusammen trinken.

Mit wem haben Sie das zuletzt gemacht?

Dettling: SP-Nationalrätin Jacqueline Badran ist Dauergast bei uns. Wir müssen sie gar nicht einladen, sie setzt sich einfach so an den Tisch.

Sie beide profitieren von der Polarisierung. Die SVP gewinnt am rechten, die SP am linken Rand. Verlierer sind die Parteien im politischen Zentrum, die eher bereit sind, Kompromisse einzugehen.

Dettling: Ich glaube, wir sind erfolgreich, weil die Menschen sowohl bei der SVP als auch bei der SP wissen, wofür wir stehen.

Marti: Ich stelle in Gesprächen fest, dass die Leute Angst haben vor dem Rechtsrutsch und die SP als jene Partei wahrnehmen, die am besten dagegenhalten kann.

Im September stimmt die Schweiz über die Neutralitätsinitiative ab, bei der sich die SP und die SVP ebenfalls gegenüberstehen. Rechte Kreise um Alt-SVP-Bundesrat Christoph Blocher fordern eine strikte Auslegung der Neutralität. Herr Dettling, soll die Schweiz also eine stille Zuschauerin sein, wenn Russland die Ukraine überfällt?

Dettling: Es geht nicht um Russland. Es geht darum, wie wir als kleines Land verhindern können, in Kriege hineingezogen zu werden. Leider sind unsere Soldaten miserabel ausgerüstet. Die SP hat in der Vergangenheit alles unternommen, um die Armee kaputtzusparen.

Sie weichen aus.

Dettling: Nein, ein neutrales Land braucht eine starke Armee, um sich verteidigen zu können. Die Initiative will deshalb die bewaffnete Neutralität in die Verfassung schreiben.

Marti: Ich stelle fest, dass du nicht über Sanktionen reden willst.

Die Neutralitätsinitiative will, dass die Schweiz keine Sanktionen gegen kriegführende Länder ergreifen darf, ausser es handelt sich um Uno-Sanktionen. Die gegenwärtigen Sanktionen gegen Russland, die die Schweiz von der EU übernommen hat, müssten aufgehoben werden. Herr Dettling, wollen Sie, dass russische Oligarchen wieder frei auf ihr Vermögen zugreifen können?

Dettling: Schauen Sie, man kann sich immer auf die eine oder andere Seite stellen. Wir möchten einfach verhindern, dass die Schweiz in den gegenwärtigen Kriegen zwischen die Fronten gerät. Das ist uns in der Vergangenheit gut gelungen. Aber die Beamten im Aussendepartement kommentieren zunehmend alles, was auf der Welt passiert. Das ist gefährlich. Wir wollen mit der Initiative auch die Bundesverwaltung in die Schranken weisen.

Marti: Wenn ihr ein Problem mit der Bundesverwaltung habt, dann sprecht das doch direkt an, statt eine Initiative zu lancieren. Wird diese angenommen, wäre die Schweiz das einzige Land in Europa, in dem russische Geschäfte betrieben und damit der Krieg finanziert werden dürfte.

Aber auch ganz links gibt es Stimmen, die die Neutralitätsinitiative unterstützen. Die Kommunisten sagen, dass die Schweiz nur Frieden vermitteln kann, wenn sie neutral bleibt.

Marti: In kommunistischen Kreisen wird Russland verklärt, und es gibt wenig Verständnis für die osteuropäischen Staaten, die seit Jahren vor Putin warnen. Aber diese Stimmen sind in der Linken selten geworden.

Trotzdem: Schwächt es die Rolle der Schweiz als Friedensvermittlerin, wenn sie Partei ergreift?

Marti: Die Schweizer Aussenpolitik muss sich am Völkerrecht orientieren, so sieht es unsere Verfassung vor. Russland hat dieses mit dem Angriff auf die Ukraine krass verletzt. Wenn wir keine Sanktionen gegen Russland ergreifen, finanzieren wir Putins Krieg. Genau darum geht es den Initianten. Mehrere SVP-Vertreter haben ihre Bewunderung für Russland geäussert, allen voran der ehemalige SVP-Nationalrat Roger Köppel.

«Es ist absolut primitiv, dass die SP uns unterstellt, wir seien eine Pro-Putin-Partei»: Der Schwyzer SVP-Nationalrat Marcel Dettling.

«Es ist absolut primitiv, dass die SP uns unterstellt, wir seien eine Pro-Putin-Partei»: Der Schwyzer SVP-Nationalrat Marcel Dettling.

Herr Dettling, Ihrem Bundesrat Albert Rösti war es offenbar unangenehm, am 1. August in St. Moritz neben einer ukrainischen Politikerin aufzutreten. Hätte Sie das auch geärgert?

Dettling: Das ist eine Sauerei. Ich hätte abgesagt, wenn ich Herr Rösti wäre. Und ich möchte noch auf Frau Martis Vorwurf reagieren. Es ist absolut primitiv, dass die SP uns unterstellt, wir seien eine Pro-Putin-Partei. Das weise ich vehement zurück. Unser oberstes Ziel ist es, unsere Bevölkerung zu schützen. Wir sind weder für Putin noch gegen die Ukraine.

Marti: Warum hast du dann den Ratssaal verlassen, als Selenski eine Videoansprache hielt?

Dettling: Weil man eben beide Seiten anhören müsste.

Marti: Du möchtest also, dass Putin im Nationalratssaal eine Rede hält?

Dettling: Nein, und das ist genau der Punkt. Ich möchte, dass keiner von beiden eingeladen wird. Wie will die Schweiz ihrer Rolle als Friedensvermittlerin gerecht werden, wenn sie sich auf eine Seite schlägt?

Die Neutralitätsinitiative ist nicht das einzige aussenpolitische Projekt, das die SVP umtreibt. Seit Monaten mobilisiert sie gegen die neuen Verträge mit der EU. Wenn Sie die Debatte zusammenfassen müssten, welches Wort würden Sie wählen, um zu beschreiben, was diese Verträge für die Schweiz bedeuten?

Dettling: Also zuerst einmal Aufgabe des Mitbestimmungsrechts, dann . . .

Nur ein Wort!

Dettling: Das kann man gar nicht in ein Wort fassen.

Marti: Zukunft.

Ist das nicht etwas hoch gegriffen, Frau Marti?

Marti: Nein. Europa ist die Antwort in diesen unsicheren Zeiten, in denen Kriege herrschen und die USA komplett unzuverlässig geworden sind. Die regelbasierte Weltordnung wird auf den Kopf gestellt. Das ist eine schlechte Nachricht für ein kleines Land wie die Schweiz. Ich komme aus einer Region, in der jeder zweite Arbeitsplatz von Exporten in die EU abhängt.

Die SP strebt gemäss Parteiprogramm den EU-Beitritt an. Sind die neuen Verträge für Sie nur ein Etappenziel?

Marti: Der EU-Beitritt ist momentan nicht mehrheitsfähig. Umso wichtiger ist, dass wir mit den Bilateralen III die Beziehungen mit der EU stabilisieren.

Dettling: Die EU ist ein Bürokratie-Moloch, während die Schweiz das mit Abstand erfolgreichste Land in Europa ist, denken wir an die Arbeitslosigkeit, die Löhne, die Schuldenquote. Was mich am meisten stört, ist, dass wir mit dem neuen EU-Vertrag unsere Volksrechte, unsere direkte Demokratie aufgeben würden. Dieser Vertrag würde unser System komplett auf den Kopf stellen.

Es wird weiterhin Volksabstimmungen geben.

Dettling: Wir können schon Pseudoabstimmungen durchführen. Aber die EU droht uns mit Sanktionen, wenn wir nicht in ihrem Sinn handeln. Wenn wir in zentralen Fragen die Pistole auf der Brust haben, können wir nicht frei entscheiden.

Marti: Das Gegenteil ist der Fall. Es wird sogar einfacher, über Themen abzustimmen, bei denen ein Konflikt mit dem europäischen Recht droht.

Dettling: Pah!

Ja?

Dettling: Das stimmt einfach nicht. Das hat selbst der linke Campaigner Daniel Graf, der Erfinder der Unterschriftensammelplattform Wecollect, festgestellt. Dieser EU-Vertrag ist ein massiver Demokratieverlust.

Marti: Künftig wird klar geregelt sein, was im Streitfall passiert. Allfällige Ausgleichsmassnahmen der EU müssen verhältnismässig und themenbezogen sein. Die EU kann uns – anders als heute – nicht mehr mit willkürlichen Sanktionen bestrafen.

Frau Marti, für die SVP ist die Europadebatte für die Wahlen 2027 zentral. Mit welchen Themen wird die SP in den Wahlkampf ziehen?

Marti: Eines unserer grossen Anliegen ist, dass Schluss ist mit Gewalt an Frauen. Wir haben noch gar nicht über den brutalen Fall aus dem Kanton Aargau gesprochen, wo ein ehemaliger SVP-Grossrat über Jahre hinweg Frauen mit K.-o.-Tropfen betäubt und vergewaltigt haben soll. Dabei handelt es sich nicht um sogenannt importierte Gewalt. Es sind Schweizer, die solche Taten begehen.

Dettling: Pfff . . .

Marti: Es ist so, Marcel, und ich möchte, dass du das endlich anerkennst.

Dettling: Falls sich die Vorwürfe im Aargau vor Gericht bestätigen, dann ist ein solcher Täter ein Sauhund und muss mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden. Die SVP fordert schon lange, dass jeder Vergewaltiger für mindestens zwei Jahre ins Gefängnis muss. Wer hat das immer abgelehnt? Die SP. Und jetzt kommt ihr und sagt, ihr wollt helfen. Das ist heuchlerisch. Kommt hinzu: Es ist eben doch ein importiertes Problem! Ausländische Männer sind dreimal so häufig vertreten in der Gewaltstatistik wie Schweizer Männer.

Marti: Marcel, das Problem ist, dass ihr keine Ahnung vom Thema habt und euch nicht dafür interessiert, wie Gewalt funktioniert. Man weiss, dass es weniger Anzeigen durch Opfer gibt, je höher die Strafen für die Täter sind. Und damit sich Opfer von Gewalt überhaupt zu melden trauen, braucht es genügend Frauenhäuser. Aber überall im Land wehrt sich die SVP gegen deren Finanzierung.

Dettling: Nochmals: Euretwegen muss jeder dritte Vergewaltiger nicht ins Gefängnis und läuft frei herum.

Jetzt sind wir unverhofft in einen weiteren Streit geraten. Dabei wollten wir Sie zum Schluss fragen, ob es auch etwas gibt, worin Sie sich einig sind.

Marti: Wir sind beide gegen einen Nato-Beitritt.

Dettling: Stimmt.

Marti: Und ich versuche immer wieder, mit der Altersvorsorge bei Marcel anzudocken, weil ich weiss, dass seine Wähler auf die AHV angewiesen sind, allen voran die Bauern. Aber in der SVP-Elite dominieren die libertären Kräfte, die sich gegen die Finanzierung der 13. AHV-Rente sträuben und das Rentenalter erhöhen wollen.

Dettling: Für mich ist eine Rentenaltererhöhung momentan kein Thema. Eine Mehrbelastung der Bevölkerung via Mehrwertsteuer lehne ich aber ganz klar ab. Von daher glaube ich nicht, dass wir uns finden.

Zur Person

Marcel Dettling

Marcel Dettling, 45, präsidiert seit zwei Jahren die SVP Schweiz. 2015 wurde er in den Nationalrat gewählt. Dettling lebt in Oberiberg im Kanton Schwyz, wo er einen Bauernhof betreibt. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Zur Person

Samira Marti

Samira Marti, 32, führt als Co-Präsidentin die SP-Fraktion im Bundeshaus. Die Ökonomin sitzt seit 2018 im Nationalrat. Mit ihrem Partner und der gemeinsamen Tochter lebt sie in Binningen im Kanton Basel-Landschaft.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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