Machtkampf ums Modehaus: Neuer Wirbel bei Münchner Mode-Dynastie Hirmer

tzMünchenStadtStand: 17.07.2026, 20:18 UhrKommentareUns auf Google folgenDas Hirmer-Stammhaus in der Münchner Fußgängerzone: Für die Zukunft des Gebäudes gibt es mehrere Optionen. © Marcus SchlafEigentlich hätt...

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Machtkampf ums Modehaus: Neuer Wirbel bei Münchner Mode-Dynastie Hirmer

Stand: 17.07.2026, 20:18 Uhr

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Immobilien-Serie 2026: Wem gehört die Münchner Fußgängerzone?; hier: Kaufingerstraße 28 (Hirmer)

Das Hirmer-Stammhaus in der Münchner Fußgängerzone: Für die Zukunft des Gebäudes gibt es mehrere Optionen. © Marcus Schlaf

Eigentlich hätte nach Monaten und Jahren des Streits Ruhe einkehren sollen beim Münchner Modehändler Hirmer. Eine überraschende Aktion von Christian Hirmer sorgt nun aber für neuen Wirbel. Am Ende könnte das Stammhaus, das verkauft werden sollte, trotzdem in Familienhand bleiben.

München – Familie kann man sich nicht aussuchen. Gut möglich, dass dieser Satz beim Münchner Herrenmode-Händler Hirmer derzeit häufiger fällt. Ein Zerwürfnis in der Eigentümer-Familie, das eigentlich schon Geschichte sein sollte, ist nach Informationen unserer Redaktion nach wie vor nicht aufgelöst.

Konkret geht es um Christian Hirmer, dem 17 Prozent der Unternehmensanteile gehörten. Seit über einem Jahr war bekannt, dass er Mitte 2026 „planmäßig“ aus dem Kreis der Gesellschafter ausscheiden wird. Mit „Mitte 2026“ war der 30. Juni gemeint. Der ist seit über zwei Wochen vorbei, aber Ruhe ist nicht eingekehrt. Ganz im Gegenteil, die Familienfehde lodert weiter.

Familien-Fehde bei Hirmer – Wirbel um die Unternehmensanteile

Denn: Christian Hirmer will sich nun nicht einfach zurückziehen, sondern seine Unternehmensanteile an seine Tochter übergeben. Das teilte er den Hirmer-Angestellten nach Informationen unserer Redaktion im Intranet mit – kurz vor dem 30. Juni.

Pikant: Cousin Ulrich (50 Prozent Anteile) und Bruder Ferdinand (17 Prozent) sollen über diesen Schritt vorab nicht informiert gewesen sein. Sie waren davon ausgegangen, dass sich Christian nach langem Streit und sehr unterschiedlichen Vorstellungen über die Hirmer-Zukunft einfach aus der Firma verabschieden würde – sodass die Anteile unter den verbleibenden Gesellschaftern Ulrich, Ferdinand und dessen Schwester Annette (16 Prozent) zu verteilen wären.

Christian (l.) und Ulrich Hirmer.

Ulrich Hirmer (r.) und sein Cousin Christian. Ihr Name steht vor allem für das bekannte Haus für Herrenmode. © Astrid Schmidhuber

Auf Anfrage unserer Redaktion an Ulrich und Ferdinand Hirmer teilt ein Sprecher mit: „Herr Dr. Christian Hirmer ist zum 30.06.2026 auf Basis eines von allen Gesellschaftern einstimmig verabschiedeten Gesellschafterbeschlusses als Gesellschafter aus den Kerngesellschaften der Hirmer Gruppe ausgeschieden.“

Der Gesellschafterkreis bestehe „nunmehr aus Herrn Ulrich Hirmer, Herrn Ferdinand Hirmer und Frau Dr. Annette Hirmer.“ Christian Hirmers Tochter wird in dieser Auflistung nicht genannt. Denn, so sehen es Ulrich und Ferdinand: Eine mögliche Anteils-Übertragung „wäre spätestens zum 30.06.2026 unwirksam geworden“.

Hirmer-Streit ging teilweise sogar vor Gericht

In den Monaten und Jahren zuvor war viel Porzellan zerschlagen worden, teilweise sogar vor Gericht. Christian gegen Bruder Ferdinand und Cousin Ulrich! Das hat für Unruhe gesorgt – und tut es noch.

Aus gut informierten Kreisen ist zu hören, dass man im Stammhaus in der Münchner Fußgängerzone zunehmend genervt ist von Christians Verhalten, insbesondere von seiner jüngsten Aktion. So mancher in der Belegschaft wünscht sich, einfach in Ruhe arbeiten zu können.

„Konstantes Wachstum“: Die Geschäfte laufen gut

Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Geschäfte jetzt gut laufen. Das Stammhaus verzeichne „seit Jahresbeginn ein konstantes Wachstum im einstelligen Bereich und entwickelt sich damit gegen den Branchentrend positiv“, so der Sprecher. Der jüngste Wasserschaden werde Schritt für Schritt behoben, in diesem Zusammenhang läuft derzeit eine Rabatt-Aktion.

Werbung für die Rabatt-Aktion nach dem Wasserschaden am Hirmer-Stammhaus.

Am Schaufenster in der Fußgängerzone: Werbung für die Rabatt-Aktion nach dem Wasserschaden im Hirmer-Stammhaus. © Uli Heichele

Der Wirbel um die Gesellschafteranteile kommt zur Unzeit – denn gerade jetzt steht eine wichtige Entscheidung an. Erst vor Kurzem ist der geplante Verkauf des Stammhauses geplatzt. Die Käufer-Gesellschaft des Immobilienmultis Erich Schwaiger hatte Insolvenz angemeldet.

Bleibt das Hirmer-Haus jetzt doch im Familienbesitz?

Für die Zukunft des Gebäudes gibt es daher auf einmal wieder mehrere Möglichkeiten. Möglich ist ein Verkauf an einen neuen Bieter (der wohl über 100 Millionen Euro zahlen müsste). Vielleicht könnte das Gebäude aber nun doch auch in Familienhand bleiben.

Vom Hirmer-Sprecher heißt es: „Alle Optionen, egal ob Verkauf oder nicht, sichern langfristig ab, dass das Hirmer Stammhaus für sehr lange Zeit das Hirmer Stammhaus und damit die beste Adresse für Männermode in München bleibt.“ Eine Entscheidung soll bald fallen.

Wie Christian Hirmer die Lage einschätzt? Das war am Freitag zunächst nicht zu erfahren. Auf eine Anfrage unserer Redaktion reagierte er nicht.