DRK Bergwacht Sachsen und Wander-App Mapy.com bündeln Kräfte für mehr Sicherheit im Gelände
Am vergangenen Sonntag hatte die sächsische Bergwacht unterhalb der Basteiaussicht in der Sächsischen Schweiz einen 61-jährigen Wanderer aus Rheinland-Pfalz tot geborgen. Der Mann lag rund 20 Meter unter der Au...
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Am vergangenen Sonntag hatte die sächsische Bergwacht unterhalb der Basteiaussicht in der Sächsischen Schweiz einen 61-jährigen Wanderer aus Rheinland-Pfalz tot geborgen. Der Mann lag rund 20 Meter unter der Aussichtsplattform in einer Felsspalte. Beim Abseilen von der Plattform entdeckten die Retter den Vermissten und zogen ihn mit einer Korbtrage und einer Seilwinde nach oben.
Vorausgegangen war ein mehrtägiger Sucheinsatz. Die Bergwachten Pirna und Bad Schandau durchkämmten das Gebiet gemeinsam mit der Drohnenstaffel des DRK Sebnitz bis in die Nacht, allerdings ohne Ergebnis. Am Samstagmittag ging bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aus Rheinland-Pfalz ein.
Das Fahrzeug des Mannes wurde auf dem Basteiparkplatz gefunden. Ein Mantrailer-Hund der Polizei – ein auf menschliche Individualgerüche spezialisierter Spürhund – verfolgte die Spur bis zur Kanapee-Aussicht, wo sich die Fährte im Felsgelände verlor. Eine zweite Suche am Samstagabend blieb ebenfalls erfolglos, erst neue Ermittlungsergebnisse am Sonntagmorgen grenzten den Bereich auf die unmittelbare Umgebung der Basteiaussicht ein. Nun ermittelt die Kriminalpolizei, wie es zu dem Absturz kommen konnte.
Rund 400 Einsätze im ersten Halbjahr
Der Fall an der Bastei fügt sich in eine Halbjahresbilanz ein, die einen deutlichen Anstieg des Einsatzaufkommens zeigt. Nach Angaben von Kai Kranich, Sprecher der DRK Bergwacht Sachsen, rückten die Bergretter in den ersten sechs Monaten 2026 zu rund 400 Einsätzen aus. Im Vergleichszeitraum 2025 waren es über 300. Der Zuwachs sei vor allem auf die Winterrettung in Oberwiesenthal zurückzuführen, wo mehr als die Hälfte aller Einsätze auf Skiunfälle entfiel. Auch die meisten Fahrradunfälle wurden im Erzgebirge registriert.
In der Sächsischen Schweiz verzeichnete die Bergwacht im ersten Halbjahr 83 Einsätze – ein Wert, der laut Kranich auf dem Niveau des Vorjahres liegt. Ob die Gesamtzahlen erneut steigen, lasse sich erst zum Saisonende Ende Oktober beurteilen.
Häufigste Ursache für Alarmierungen im Elbsandsteingebirge bleiben Wanderunfälle, darunter Stolperstürze und internistische Beschwerden von Naturfreunden, die nicht zwingend mit dem Wandersport zusammenhängen.
Bergungen von Toten hat es 2026 bereits gegeben: Sowohl in der Sächsischen Schweiz – der aktuelle Fall vom vergangenen Wochenende – als auch im Erzgebirge musste die Bergwacht in der ersten Jahreshälfte je einen Toten bergen. Tödliche Kletterunfälle wie im Vorjahr blieben bislang aus.
Mehr Alarmierungen außerhalb der Hüttenzeit
Kranich verweist auf zwei längerfristige Entwicklungen im Elbsandsteingebirge. Die Zahl der Einsätze mit Rettungshubschraubern in der Sächsischen Schweiz stieg von 30 im Jahr 2019 auf 44 im Jahr 2025. Auch die Alarmgruppen, die aus ehrenamtlichen Einsatzkräften bestehen und die Zeit außerhalb der Wochenenden abdecken, wenn die beiden Bergwachthütten nicht besetzt sind, werden häufiger gerufen: 2019 waren es 67 Einsätze, 2025 bereits 86.
Die meisten Unfälle führt Kranich darauf zurück, dass Wanderer das Mittelgebirge unterschätzen oder sich selbst überschätzen. Falsches Schuhwerk, ungeeignete Karten-Apps zur Orientierung, nicht berücksichtigte Vorerkrankungen oder zu wenig Wasser seien typische Ursachen.
Neue Wander-App bündelt Wissen und Equipment
Ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Nachbarland Tschechien soll Unfälle und Abstürze künftig vermeiden: Die sächsische Bergwacht arbeitet mit dem tschechischen Anbieter der Wander-App Mapy.com zusammen. Ziel der Kooperation ist es, die Sicherheit von Wanderern in den sächsischen Mittelgebirgen zu erhöhen und zugleich die Ausrüstung der Bergretter zu verbessern.
Konkret stellt die Bergwacht ihr Geländewissen zur Verfügung, um die Kartenqualität der App zu verbessern. Kurzfristige Wegsperrungen oder Gefahrenstellen sollen direkt eingepflegt werden können – auch durch die Bergwacht selbst. Im Gegenzug unterstützt Mapy.com die Bergwacht bei Ausstattung und Ausbildung einer neuen Spezialeinheit zur Vegetationsbrandbekämpfung. Diese Einheit soll Feuerwehreinsätze in schwer zugänglichen Mittelgebirgslagen absichern.
Hannes Markert, Landesleiter der DRK-Bergwacht in Sachsen, spricht von einer „Win-Win-Situation für einen sicheren Tourismus in den sächsischen Mittelgebirgen“. Ein Vorteil moderner Wander-Apps liege in der Aktualität der Informationen, die Naturfreunde nahezu in Echtzeit erreichen könnten.
Veronika Geltner von Mapy.com bezeichnet die Zusammenarbeit als Möglichkeit, die Karten „mit echtem Expertenwissen aus dem Gelände“ anzureichern. Das lokale Wissen der Bergwacht sei nicht ersetzbar und fließe künftig direkt in die App ein.
Bergwacht rät zu klassischer Karte als Backup
Trotz digitaler Hilfsmittel weist die DRK Bergwacht auf grundlegende Vorsichtsmaßnahmen hin. Wanderer sollten weiterhin analoge Karten mitführen, da digitale Technik ausfallen könne. Zudem sei es ratsam, das Kartenmaterial vorab auf das Smartphone herunterzuladen, weil die Mobilfunkabdeckung in vielen Wandergebieten lückenhaft sei. Auch eine Powerbank oder ein Ersatzakku werde empfohlen, da Apps den Smartphone-Akku stark belasten.
Hintergrund der Kooperation ist die steigende Nutzung digitaler Orientierungshilfen in der Natur. Nach Angaben der Bergwacht bringen sich Nutzer dabei nicht immer risikofrei durchs Gelände. Gleichzeitig helfen genauere Ortsangaben im Notfall, Zeit bei der Rettung zu sparen.
Gelbe Schilder für den Notruf
Um Rettungskräfte in Gebieten ohne verlässlichen Mobilfunkempfang schneller zu Verunglückten zu führen, hat der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sein System analoger Notrufpunkte ausgebaut. Mittlerweile hängen 660 gelbe Schilder an Wegweisern, Schutzhütten und Bäumen. Zuletzt kamen 230 Punkte linkselbisch außerhalb des Nationalparks hinzu.
Jedes Schild trägt eine vierstellige Nummer, hinter der ein exakter GPS-Standort hinterlegt ist. Wer die 112 wählt und die Nummer durchgibt, ermöglicht Feuerwehr oder Bergwacht eine gezielte Anfahrt. Die Schilder dienen auch dem Brandschutz: Wer Rauch oder Feuer entdeckt, kann den Brandherd über die Nummer des nächsten Schildes melden.
Die DRK Bergwacht Sachsen gliedert sich in 19 Bergwachten mit 386 aktiven, ehrenamtlichen Einsatzkräften, davon rund 142 in der Sächsischen Schweiz. Finanziert wird die Arbeit über Krankenkassenbeiträge, Einnahmen aus der Absicherung von Großveranstaltungen, Zuwendungen für Katastrophenschutzeinheiten und Spenden.
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