Parkplatz neben Grab gestoppt: Angehörige wehrt sich erfolgreich

Die Friedhofsverwaltung wollte auf einer alten Wiese fünf bis sechs Stellplätze für Mitarbeiter anlegen. Doch das Grab von Franziska Marggrafs Mutter liegt in diesem Bereich – die Ruhefrist wurde erst 2020 bis 2050 verlängert.

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Parkplatz neben Grab gestoppt: Angehörige wehrt sich erfolgreich

Stand: 02.08.2026, 13:15 Uhr

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Franziska Marggraf hat sich dagegen gewehrt, dass neben dem Grab ihrer Familie auf dem Friedhof Wehlheiden ein Parkplatz für Mitarbeiter entsteht. Kassel, Wehlheiden, Parkplätze

Sie war erfolgreich: Franziska Marggraf hat sich dagegen gewehrt, dass neben dem Grab ihrer Familie auf dem Friedhof Wehlheiden ein Parkplatz für Mitarbeiter entsteht. © Foto: Ulrike Pflüger-Scherb

Die Friedhofsverwaltung wollte auf einer alten Wiese des Wehlheider Friedhofs fünf bis sechs Stellplätze für Mitarbeiter anlegen. Dagegen wehrte sich Franziska Marggraf, deren Familie in diesem Bereich beigesetzt worden ist.

Wehlheiden – Kürzlich bekam Franziska Marggraf aus Kassel einen Anruf von ihrem Sohn. Die Mitteilung, die er ihr machte, gefiel der 68-jährigen Frau gar nicht. „Er sagte zu mir, dass in der HNA steht, dass Oma und Opa demnächst neben einem Parkplatz beerdigt sind.“

Anfang Juli hatte die HNA darüber berichtet, dass auf einer alten Wiese, die sich im nordwestlichen Teil (parallel zur Grünfläche Am Heimbach) des alten Friedhofs befindet, ein Parkplatz für Mitarbeiter des Friedhofs entstehen soll. Hintergrund dieser Maßnahme war die Ausweitung der Parkgebührenfläche der Stadt Kassel im Bereich des Friedhofs. Wenn er seinen Wagen auf den gebührenpflichtigen Parkplätzen an der Friedenstraße abstelle, dann müsse er jeden Tag sechs Euro zahlen, hatte ein Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung argumentiert. In einem Jahr kämen da allein 1360 Euro an Parkkosten zusammen. Auf der Freifläche, wo fünf bis sechs Autos abgestellt werden sollten, würden sich seit 20 Jahren keine Gräber mehr befinden.

Ruhefrist bis 2050 verlängert

Das stimmt nicht ganz. Das Grab, in dem die Eltern und Großeltern von Franziska Marggraf ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, liegt in diesem Bereich. Ihre Mutter Magdalena Schmincke ist in dem Grab erst vor vier Jahren beigesetzt worden. Sie war im Mai 2022 im Alter von 100 Jahren gestorben. Die Familie habe erst im Jahr 2020 die Grabstätte bis zum Jahr 2050 verlängert. Auch ihr älterer Bruder wolle nach seinem Tod hier beerdigt werden, sagt Franziska Marggraf. Dass künftig neben dem naturbelassenen Grab Autos stehen sollen, damit wolle sie sich nicht abfinden. „Das ist nicht in Ordnung.“

Franziska Marggraf beschwerte sich sowohl bei der Evangelischen Kirche, in deren Trägerschaft sich die Kasseler Friedhöfe befinden, als auch bei Eckehart Göritz, dem Leiter der Friedhofsverwaltung. Der hatte Anfang Juli noch zugestimmt, dass die Mitarbeiter auf der alten Wiese parken dürfen. Die Zufahrt sollte über das Tor an der Sternbergstraße erfolgen. Es war klar, dass die Autos an Gräbern vorbeifahren müssen. Göritz war sich bewusst, dass dies zu Beschwerden von Angehörigen führen würde. Nachdem ihm Franziska Marggraf ihre Beschwerde vorgetragen hatte, machte sich der Chef der Friedhofsverwaltung noch mal ein Bild vor Ort. Er sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Frau recht hat. Der Parkplatz wäre zu dicht an den Gräbern, so Göritz. „Für mich gehören Autos nicht sichtbar auf einen Friedhof, aber große Ausweichmöglichkeiten haben wir nicht.“ Um die Pietät zu wahren, hat die Friedhofsverwaltung nun entschieden, dass hier nun doch kein Parkplatz für Mitarbeiter entsteht.

Göritz ist allerdings auch nicht glücklich darüber, dass die Mitarbeiter ihre Fahrzeuge zwischen dem Verwaltungsgebäude und der Kapelle am Eingang zur Friedenstraße abstellen, damit sie keine Parkgebühren zahlen müssen. Es würde schon helfen, wenn die Stadt die drei Parkplätze, die sich quer neben dem Eingang (direkt am Heimbach-Grünzug) befinden, der Friedhofsverwaltung kostenfrei zur Verfügung stellen würde.

Einige Parkplätze vor dem Friedhof Wehlheiden sind jetzt doch nicht gebührenpflichtig.  Kassel, Wehlheiden, Parkgebühren

Wieder Parken mit Parkscheibe: Acht Parkplätze vor dem Friedhof Wehlheiden sind jetzt doch nicht gebührenpflichtig. © Ulrike Pflüger-Scherb

Die Besucher des Friedhofs können allerdings wieder auf acht Kurzzeitparkplätzen vor dem Friedhof mit Parkscheibe zwei Stunden kostenfrei parken. Das haben sie dem Ortsbeirat und vor allem dem Ortsbeiratsmitglied Sabine Nödler (SPD) zu verdanken. Der Ortsbeirat Wehlheiden hatte bereits im September 2025 auf Initiative der SPD einstimmig gefordert, die Parkplätze in der Friedenstraße von der neuen Gebührenpflicht auszunehmen. Diese Ausnahme sei von der Stadt auch zuerst zugesagt, dann aber doch fälschlicherweise nicht so umgesetzt worden, so Nödler. Mit Erweiterung der Parkgebührenzonen wurde dort ein Schild angebracht, dass die Parkplätze gebührenpflichtig sind. Nödler hakte daraufhin bei der Stadt mehrfach nach, verschickte Mails und Fotos. Mit Erfolg. Mittlerweile sind die acht Parkplätze wieder kostenfrei.