Rabbi Bruno Italiener soll Straße bekommen – 70 Jahre nach seinem Tod
Der Förderverein Liberale Synagoge fordert eine Rabbi-Bruno-Italiener-Straße in Darmstadt. Der Rabbiner kämpfte in der Weimarer Republik mit einer Streitschrift gegen Antisemitismus.
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Stand: 17.07.2026, 18:43 Uhr
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Der Förderverein Liberale Synagoge fordert eine Rabbi-Bruno-Italiener-Straße in Darmstadt. Der Rabbiner kämpfte in der Weimarer Republik mit einer Streitschrift gegen Antisemitismus.
Es muss in Darmstadt eine Rabbi-Bruno-Italiener-Straße geben. Das fordert der Förderverein Liberale Synagoge (FLS) zum 70. Todestag des Thora-Gelehrten, der 20 Jahre lang in Darmstadt wirkte und als Kämpfer gegen den Judenhass in der Weimarer Republik deutschlandweit von sich reden machte.
Rabbi-Bruno-Italiener-Straße in Darmstadt „mehr als überfällig“
Am Freitag, 17. Juli, jährte sich der Todestag von Bruno Italiener zum 70. Mal. Martin Frenzel, Vorsitzender des Fördervereins Liberale Synagoge, bezeichnet den Rabbiner als „Lichtgestalt des liberalen Reformjudentums“, der in ganz Deutschland ein hohes Ansehen genossen habe. Deshalb sei eine Rabbi-Bruno-Italiener-Straße „mehr als überfällig“, so Frenzel.
Der Rabbi kam in diesem Jahr in Darmstadt bereits zu Ehren. Am 23. Februar wurde anlässlich des 150. Jahrestags der Liberalen Synagoge eine Gedenktafel für ihn auf dem Gelände des Klinikums Darmstadt enthüllt, wo die Überreste des einst prächtigen jüdischen Gotteshauses entdeckt worden waren. Bruno Italiener wäre der zweite Rabbiner, nach dem ein Ort benannt werden könnte. Ein kleiner Platz auf dem Klinikgelände trägt schon den Namen von Julius Landsberger, der fast drei Jahrzehnte Landesrabbiner von Starkenburg war und 1876 die Liberale Synagoge in Darmstadt eröffnete.
Rabbiner rettete die reich illustrierte Darmstädter Haggadah
Bruno Italiener lehrte fast 20 Jahre lang die Thora in Darmstadt. Im Jahr 1907, zu Kaisers und Großherzogs Zeiten, übernahm er die Israelitische Religionsgemeinde Darmstadt und entwickelte sich vom Monarchie-Anhänger zum mutigen Kämpfer gegen den wachsenden Antisemitismus. Mit seiner Streitschrift „Waffen im Abwehrkampf“, die er 1920 publizierte, gab er deutschen Juden unter anderem fundierte Argumentationshilfen gegen die Diskriminierung an die Hand. Das Werk erschien in mehreren Auflagen.
Italiener gilt auch als Retter der Darmstädter Haggadah aus dem 15. Jahrhundert, eine Sammlung biblischer und homiletischer Segenssprüche, Gebete, Gesänge und ritueller Vorschriften zum Pessachfest mit reichhaltiger Bebilderung. Der Rabbi sorgte für eine originalgetreue Reproduktion dieser wertvollen Handschrift.
1927 wechselte Italiener zur großen Hamburger Templer-Gemeinde, Anfang 1939 floh er ins erzwungene England-Exil nach London. Er starb dort 1956.