Rentner bietet blinder Frau Hilfe an – für einen Hund, den es noch nicht gibt
StartseiteLokalesLandkreis VerdenVerdenStand: 18.07.2026, 06:30 UhrKommentareUns auf Google folgenIn der Verdener Redaktion haben sich Yvonne Krummrey und Andreas Stüker kennengelernt. © Silvia GiulianiAndreas ...
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Stand: 18.07.2026, 06:30 Uhr
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Andreas Stüker liest einen Artikel über Yvonne Krummrey und meldet sich bei der Redaktion. Die Wartezeit für einen Blindenführhund kann bis zu zwei Jahre dauern.
Verden – Andreas Stüker ist 65, Rentner, gebürtiger Verdener. Er hat Diabetes, die Gelenke bereiten Probleme. Er wohnt wieder da, wo er aufgewachsen ist. „Man tobt sich dann so ein wenig aus, schaut mal ein wenig nach rechts, ein wenig nach links und genießt das Leben dann wieder“, sagt er. Er hat einen Sohn, der in der Nähe wohnt. Er ist jemand, der sich auskennt, der anpackt, der Dinge regelt. Der Prüfungsausschuss, in den er mit Anfang dreißig kam, war kein Amt, das er gesucht hat – man habe ihn empfohlen, weil man wusste, wie er mit Menschen umgehe. Er hat Jugendliche durch Prüfungen begleitet, hat gelernt, wie Situationen kippen können und wie man sie rettet, ohne das Gesicht zu verlieren. Das war sein Metier.
Dann hat er den Artikel gelesen. Von Yvonne Krummrey und davon, dass sie über einen Führhund nachdenkt. Dass sie niemanden hat, den sie benennen könnte, wenn sie krank ist. Dass sie nach dem Tod ihrer Eltern allein dasteht, keinen Freundeskreis hat. Er meldete sich bei der Redaktion und bot seine Hilfe an: „Es ist schon ziemlich spannend, Yvonnes Geschichten und damit verbundenen Erlebnissen zuzuhören und mitfühlen zu dürfen.“ Aber Stüker bleibt nicht beim Mitfühlen stehen: Er hat sich vorbereitet. Auf das Gespräch, auf Yvonne, auf ihre Situation. Und wo er ein Problem sieht, fängt er an, Lösungen zu suchen.
Als Yvonne erzählt, dass sie die Erzieherprüfung nicht bestanden hat, weil die Situation in der Prüfung gekippt ist und niemand eingegriffen hat, hört er zu, ohne sie zu unterbrechen. Dann sagt er: „Eine solche Person hätte ich nicht durchfallen lassen. Definitiv nicht.“ Eine kurze Pause. „Vor allem, wenn man erkennt, dass da was schief läuft.“ Und dann schiebt er nach: Vielleicht könnte man das noch einmal angehen. Die Kammer kontaktieren. Schauen, ob sich die Rechtslage geändert hat. „Man sollte immer versuchen, neue Möglichkeiten zu schaffen“, sagt er. „Es ist so viel möglich in der heutigen Welt.“ Er würde dabei helfen, die Stellen abzuklappern, die Situation zu schildern. Zu zweit, wenn nötig. „Egal, wie die Antwort ausfällt.“
Yvonne erzählt, wie ihre Eltern krank wurden und starben, wie sie danach erst wieder lernen musste, ihr Leben zu ordnen, wie der Wunsch nach einem Hund in dieser Zeit kleiner wurde. Stüker sagt zunächst nichts. Dann: „Da ist dann der Berg ein wenig zu hoch.“ Er weiß das aus eigener Erfahrung. Er hat Phasen gehabt, über die er nicht viel erzählt. Und er hat gelernt, was es bedeutet, wenn der Freundeskreis am Ende keiner ist. Er fragt, ob Yvonne eine Selbsthilfegruppe kennt, ob es im Blindenverein Menschen in ihrem Alter gibt. Er fragt nach dem Praktikum, das sie plant, freut sich, dass da Struktur hereinkommt. „Dass du ein wenig um die Ohren hast – und für dich auch eine Aufgabe.“
Zum Führhund stellt er gute Fragen. Welche Rasse? Wie groß? Wie das Führgeschirr funktioniert. Wie lange die Einarbeitungszeit dauert, wie die Prüfung abläuft. Yvonne erklärt: Der Hund muss zur Person passen, Körpergröße und Schulterhöhe müssen übereinstimmen, das starre Gestell des Führbügels überträgt die Bewegungen direkt in die Hand. Sie tendiert zum Labradoodle oder Goldendoodle, etwas Allergikerfreundliches, kurzes Fell. Vieles ist aber noch offen. Bis zu zwei Jahre könnte es dauern, bis ein Hund da wäre. Die Wartelisten sind lang. Stüker zuckt die Schultern. „Mein Angebot geht nicht nur bis Ende Juni.“ Er überlegt. „Ich habe gesagt: so lange, wie ich lebe.“
Er meint es ernst. Er ist Rentner. Er hat Zeit. Er kennt Hunde. Als Kind gab es in der Familie einen Boxer und einen Beagle-Mischling. „Eine rollende, lebende Konservendose“, sagt er und lacht. Wenn der sein Fressen gesehen hatte, war nichts anderes mehr in seinem Kopf. Andreas Stüker hat ihm damals eineinhalb große Dosen gegeben – einfach so, um zu sehen, was passiert. „Ich habe mir damals tatsächlich den Spaß erlaubt.“
„Also, eine Hundeleine habe ich schon mal an der Hand gehabt“, sagt Stüker. Später, als er verheiratet war, wollte er wieder einen Hund. Die Frau sprach sich dagegen aus. Der Hund ist nie gekommen. Yvonne hat sich noch nicht entschieden, ob sie einen Führhund will. Sie macht das nicht leichtfertig. Ein Tier bedeutet Verantwortung, auch wenn man selbst nicht gut gelaunt ist. „Ich habe mich daran gewöhnt, ‚bequem‘ zu sein“, sagt sie. „Nicht bei Wind und Wetter raus zu müssen.“ Aber die Frage, wer da wäre, wenn sie es täte – die hat jetzt eine Antwort.