Städterinnen lernen Landwirtschaft auf Twistetaler Biohof Nagel
Die 25-jährige Elisabeth Kuepper aus Münster und die 35-jährige Marieke Nachtigall aus Leipzig haben etwas gemeinsam. Sie haben bisher überhaupt keine Berührungspunkte mit der Landwirtschaft gehabt, waren noch nie auf einem Bauernhof. Durch die Kampagne „Wir haben es satt“ haben die beiden Aktivistinnen dies geändert und verbrachten gemeinsam ein paar Tage auf dem Biohof von Reinhard Nagel in Nieder-Waroldern.
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Stand: 23.07.2026, 13:05 Uhr

Die 25-jährige Elisabeth Kuepper aus Münster und die 35-jährige Marieke Nachtigall aus Leipzig haben etwas gemeinsam. Sie haben bisher überhaupt keine Berührungspunkte mit der Landwirtschaft gehabt, waren noch nie auf einem Bauernhof. Durch die Kampagne „Wir haben es satt“ haben die beiden Aktivistinnen dies geändert und verbrachten gemeinsam ein paar Tage auf dem Biohof von Reinhard Nagel in Nieder-Waroldern.
Nieder-Waroldern – Eine Erfahrung, die die beiden jungen Frauen wohl nicht so schnell vergessen werden. Vom ersten Moment an sind unglaublich viele Eindrücke auf sie eingeprasselt, haben sie neue Erfahrungen gemacht und hinter die Kulissen eines Bauernhofes geschaut. Und schließlich haben sie das gesamte System mit der Haltung von Kühen und der Arbeit auf den Feldern begriffen.
„Essen und die Landwirtschaft gehen uns alle etwas an. Wir möchten nicht über etwas reden, sondern mitreden, Zusammenhänge erkennen“, war die Motivation von Kuepper und Nachtigall. Sie hätten beide nicht gedacht, dass in der Landwirtschaft alles so früh und so genau durchplanen muss. „Und dann regnet es morgens und der Tag verläuft plötzlich doch wieder ganz anders“, haben beide die Wetterabhängigkeit unterschätzt.
Kühe gefüttert, Trecker gefahren
„Reinschnuppern, mit anpacken und in den Austausch treten“ war das Motto der Kampagne, und das haben die beiden Frauen von der ersten Minute an umgesetzt. Marieke Nachtigall, die in Leipzig in der Öffentlichkeitsarbeit beim NABU arbeitet, und Elisabeth Kuepper, die in den Niederlanden nachhaltige Entwicklung studiert hat und schon ein halbes Jahr in Marokko gearbeitet hat, haben die 65 Kühe gefüttert, sind zum ersten Mal Traktor gefahren, haben gekocht und mit Heu gewendet.
„Wenn ich eins gelernt habe, dann ist es, dass es auf einem Hof immer etwas zu tun gibt“, sagt Marieke Nachtigall, die gemeinsam mit Reinhard Nagel und Elisabeth Kuepper die Upländer Bauernmolkerei, das Muhseum, den Falkenhof Strothe und den Edersee besucht hat. Schnell haben beide den Unterschied zu anderen Berufen gesehen. Denn „keine Lust auf Arbeiten“ oder eine Vier-Tage-Woche gibt es auf einem Bauernhof nicht.
Gespräche am Abendbrottisch
Der 72-jährige Reinhard Nagel ist froh, wenn er sein Wissen weitergeben kann, ist offen für Ideen und Verbesserungsvorschläge. „Durch Kritik fängt man an zu denken“, ist sein Motto. Und Querdenken hat er selbst schnell gelernt. Da er keine landwirtschaftliche Lehre gemacht habe, habe er, wie er selbst sagt, keine Scheuklappen auf. So hat er vor vielen Jahren den Dinkelanbau in Waldeck mit etabliert.

Nach einem anstrengenden Tag auf dem Hof, entfachen so interessante Gespräche am Abendbrottisch. Ideen für Protestplakate entstehen, Gespräche über flächengebundene Tierhaltung entstehen und man tauscht sich darüber aus, wie man als Verbraucher verantwortungsvoll einkaufen kann.
Nichts dem Zufall überlassen
„Ich finde es spannend, wie alles miteinander verknüpft ist, wie man alles planen kann und doch spontan und flexibel bleiben muss. Trotzdem ist nichts dem Zufall überlassen“, so Marieke Nachtigall. Fasziniert war sie vom Melkroboter im Stall, der in Nieder-Waroldern von ihrem Stadtleben in Leipzig aus kaum weiter entfernt liegen könnte.