Tour de France: Mauro Schmid gewinnt die 13. Etappe
Für die Schweiz ist es der erste Etappensieg an der Frankreich-Rundfahrt seit sechs Jahren. Für den 26-jährigen Zürcher der grösste Erfolg seiner Karriere, die alles andere als geradlinig verlaufen ist.
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Vom Desperado zum Etappensieger auf der grössten Bühne: Mauro Schmid gewinnt im Elsass die 13. Etappe der Tour de France
Für die Schweiz ist es der erste Etappensieg an der Frankreich-Rundfahrt seit sechs Jahren. Für den 26-jährigen Zürcher der grösste Erfolg seiner Karriere, die alles andere als geradlinig verlaufen ist.
17.07.2026, 18.47 Uhr
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Aktualisiert
Der Schweizer Mauro Schmid hat die Etappe von Dole nach Belfort für sich entschieden.
Stéphanie Lecocq / Reuters
Als niemand damit rechnet, attackiert Mauro Schmid auf der Abfahrt vom Ballon d’Alsace, dem Haupthindernis auf der 13. Etappe der Tour de France von Dole nach Belfort. Schmid, der 26-jährige Zürcher, gewinnt durch die Tempoverschärfung einige Sekunden Vorsprung. Vor dieser Etappe hatte er dem «Blick» gesagt, es habe Vorteile, dass er anders als in den letzten beiden Jahren das auffällige Trikot des Schweizer Meisters nicht mehr trage: «Es kann helfen, wenn man sich unsichtbar machen kann im Peloton», sagte Schmid.
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Der Kolumbianer Harold Tejada vermag Schmid als Einziger zu folgen. Bis wenige hundert Meter vor dem Ziel harmoniert das Duo, auch wenn Schmid sich Sorgen macht. Schon vier Kilometer vor dem Ziel schiessen Krämpfe in die Beine. Er und fast fünfzig andere Fahrer haben sich früher auf dem mit 205,8 Kilometer längsten Teilstück der diesjährigen Tour vom Feld gelöst, zeitweise mehr als acht Minuten Vorsprung herausgefahren. «Diese Etappe wurde von Anfang an mit Vollgas gefahren», sagte Schmid.
Auf den letzten Kilometern halten Schmid und Tejada die Verfolger auf Distanz, trotz Schmids Krämpfen. Es läuft auf einen Sprint hinaus. Bisweilen bleiben die beiden beinahe stehen auf den letzten Metern, taktieren, belauern sich, die Verfolger brausen heran. Schmid kennt das schon, vergangenes Jahr hat er den ersten Tour-Etappensieg seiner Karriere im Schlusssprint noch knapp verpasst. Eine böse Vorahnung beschleicht ihn: «Diese Etappe von 2025 ist mir heute ein paarmal durch den Kopf gegeistert, sogar auf den letzten Metern», sagte er.
Schmids grosser Sieg zeichnet sich in dieser Saison ab
Doch anders als letztes Jahr reüssiert Schmid dieses Mal. Er überspurtet seinen letzten Gegner Tejada. Kaum hat er die Ziellinie überquert, hebt Schmid das Vorderrad seines Velos an, stösst es mit aller Kraft, die noch bleibt, in den Boden. Dann reisst er die Arme in die Höhe. Eine Geste der Erlösung, endlich hat es geklappt mit dem grossen Sieg.
Schmid wird damit der 30. Etappensieger aus der Schweiz an der wichtigsten Rundfahrt des Jahres und der erste seit Marc Hirschi, der 2020 die 12. Etappe der Tour de France entschied. «Ich werde ein paar Stunden brauchen, bis ich merke, was heute passiert ist», sagte Schmid.
Der Sieg bei einer Etappe der Tour de France ist der grösste Erfolg in der Karriere des ehemaligen Bahnfahrers. Ein Triumph, der sich vor allem in dieser Saison abgezeichnet hat. Schmid startete stark ins Jahr, gewann Anfang Februar ein World-Tour-Rennen in Oman, danach eine Etappe der Tour of Oman und ein Etappenrennen in Italien. Den grössten Erfolg bis zum Sieg an der Tour-Etappe erreichte er Ende April an der Halb-Classique Flèche wallonne. An der steilen und berüchtigten Mur de Huy war Schmid der Einzige, der dem Sieger, dem französischen Supertalent Paul Seixas, halbwegs zu folgen vermochte. Schmid wurde Zweiter. Dazu kamen weitere Spitzenplätze, im Frühjahr näherte sich der Schweizer der Weltspitze an.
Einst reparierte er die Autos des Schweizer Verbandes
So deutlich sich dieser Etappensieg angekündigt hatte, so verschlungen verlief der Aufstieg Schmids in den Profiradsport. In den Nachwuchskategorien stand er im Schatten der wenig älteren Fahrer Marc Hirschi, Stefan Bissegger und des 2023 verstorbenen Gino Mäder. Als Hirschi 2020 als bisher letzter Schweizer eine Tour-Etappe gewann, dazu die Flèche wallonne und die Bronzemedaille an den Weltmeisterschaften, fehlte Schmid ein Vertrag bei einem Team aus der World Tour. Stattdessen tingelte er mit einer unterklassigen Equipe von Provinzrennen zu Provinzrennen.
Das dürfte auch daran gelegen haben, dass er anders als gleichaltrige Talente nicht schon früh auf den Radsport setzen konnte, sondern zunächst eine Lehre als Automechaniker absolvierte. Er erzählte einmal, er habe kaum Ferien gemacht in jener Zeit, die Wochenenden seien kurz gewesen: Freitagabend Abfahrt an ein Rennen in Belgien, Sonntag der Wettkampf, am Montagmorgen stand er wieder in der Garage. Vor den WM 2020 trainierte er nicht für den Grossanlass, sondern half im elterlichen Betrieb bei der Bereitstellung der Begleitfahrzeuge von Swiss Cycling für ebendiese Weltmeisterschaften. Mehrmals stand die Karriere vor dem Aus.
Den Weg an die Weltspitze ebnete ihm Qhubeka Assos, das ihn 2021 unter Vertrag nahm. Die Equipe war das einzige afrikanische Radsportteam auf höchster Stufe, eine Ansammlung von Desperados und Aussenseitern; Fahrern, wie Schmid damals einer war. Im selben Jahr triumphierte der Schweizer aber überraschend auf einer Etappe des Giro d’Italia, bei der er viel riskierte und viel gewann: Es war ein Erweckungserlebnis, danach ging es mit der Karriere stetig bergauf.
Noch fährt Schmid für das australische Team Jayco Alula. Doch die Erfolge haben finanzkräftigere Teams auf ihn aufmerksam gemacht. Im Hinblick auf die nächste Saison dürfte Schmid zur Schweizer Equipe Pinarello Q36.5 wechseln und dort ein kolportiertes Jahressalär von zwei Millionen Euro erhalten. Dort wird er einem der Baumeister seines Erfolgs wieder begegnen. Douglas Ryder führte einst das Aussenseiterteam Qhubeka Assos. Heute ist er General Manager bei Q36.5.
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