Deutsche Bahn: Haftbefehl nach Angriff auf Bahnmitarbeiter beantragt

Ein Bahnmitarbeiter liegt nach dem Sturz aus einem fahrenden Regionalzug im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft beantragt Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Angreifer. Quelle...

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Deutsche Bahn: Haftbefehl nach Angriff auf Bahnmitarbeiter beantragt

Ein Bahnmitarbeiter liegt nach dem Sturz aus einem fahrenden Regionalzug im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft beantragt Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Angreifer.

Quelle: DIE ZEIT, dpa,

lk

Aktualisiert am 18. Juli 2026, 18:38 Uhr

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Deutsche Bahn Sicherheitsmitarbeiter Sturz Zug Tür
Blick aus einem fahrenden Zug auf Gleise: Seit dem Sturz aus einem fahrenden Zug befindet sich ein Bahn-Sicherheitsmann in einem kritischen Gesundheitszustand. © Philipp von Ditfurth/​dpa

Nach dem Angriff auf einen Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn hat die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen einen 36-Jährigen beantragt. Was dem Mann in dem Antrag konkret zur Last gelegt wird, ist offen. Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft stehen ein versuchtes Tötungsdelikt oder gefährliche Körperverletzung im Raum.

Auslöser war demnach eine Ticketkontrolle, bei der es zunächst zu einem verbalen Streit kam. Daraufhin seien zwei Sicherheitskräfte der Bahn hinzugezogen worden. Der Regionalzug war am Freitagabend von Offenburg in Richtung Karlsruhe unterwegs. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fuhr er zu diesem Zeitpunkt mit etwa 120 Kilometern pro Stunde.

Im weiteren Verlauf kam es nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen dem 36-jährigen Fahrgast und dem 26-jährigen Mitarbeiter der Bahn-Sicherheit. Während des Gerangels seien beide zu Boden gestürzt. Dabei habe sich aus bislang ungeklärter Ursache die Tür des fahrenden Zuges geöffnet, woraufhin der 26-Jährige auf Höhe von Ettlingen-Bruchhausen aus dem Zug stürzte.

Nach umfangreichen Suchmaßnahmen sei der Mann etwa zwei Kilometer hinter dem späteren Halteort des Zuges im Bereich der Gleise schwer verletzt gefunden und in ein Krankenhaus gebracht worden. Er befinde sich weiter in kritischem Zustand.

Verdächtiger in Polizeigewahrsam

Warum sich die Tür öffnete, ist noch ungeklärt. Nach bisherigen Erkenntnissen soll sie aus der Verankerung gerissen worden sein. Zu den technischen Hintergründen äußerte sich die Bahn auf Anfrage nicht. Auch dazu, ob es sich um ein älteres Zugmodell handelte, machte sie keine Angaben.

Der 36-Jährige wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch am Freitagabend vorläufig festgenommen und befindet sich in Polizeigewahrsam.

Die Ermittler beschlagnahmten den Zug und untersuchen ihn. Zeugen werden befragt, zudem wird geprüft, ob es Videoaufnahmen gibt. Ob der Zug nach dem Vorfall außerplanmäßig stoppte und ob es sich dabei um eine Notbremsung handelte, blieb zunächst unklar.

GDL fordert Konsequenzen

Die Bahn äußerte sich betroffen: »Wir verurteilen den Angriff am gestrigen Abend in einer Regionalbahn aufs Schärfste«, sagte eine Sprecherin. »Unsere Gedanken sind bei dem Verletzten.«

Der Vorfall zeige, dass »verbale und körperliche Übergriffe auf das Zugpersonal eine neue, lebensgefährliche Dimension erreicht haben«, sagte Manuel Amberger, Landesvorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Es mache die Gewerkschaft »fassungslos und wütend«, dass nach einer einfachen Fahrkartenkontrolle erneut ein Kollege im Krankenhaus um sein Leben ringen müsse. GDL-Chef Mario Reiß forderte im WDR Konsequenzen von Justiz und Gesetzgeber und verlangte ein »Durchgriffsrecht«. Beschäftigte müssten ihren Dienst zunehmend »mit Angst« antreten, sagte er.

Der Fall weckt Erinnerungen an einen Angriff auf Bahnpersonal in Rheinland-Pfalz im Februar, bei dem ein Kontrolleur nach einer Fahrkartenkontrolle so schwer verletzt wurde, dass er zwei Tage später im Krankenhaus starb. Das Landgericht Zweibrücken verurteilte den Täter wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der damalige Fall hatte eine Debatte über die Sicherheit in Zügen und den Schutz von Beschäftigten ausgelöst. Die Deutsche Bahn kündigte daraufhin einen Aktionsplan an, darunter Bodycams für rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fernverkehr, zusätzliche Kräfte an Bahnhöfen, bessere Schutzausrüstung sowie Verhaltens- und Deeskalationstrainings.