Wassermangel in Norditalien: Lombardei zapft Alpenspeicher an – Kritik an Energiekonzernen
StartseiteWeltHitze und Dürre in der Lombardei: Comer See soll ausgetrocknete Felder rettenStand: 24.07.2026, 20:53 UhrKommentareUns auf Google folgenNorditalien steckt in einer schweren Wasserkrise. Der Comer ...
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Hitze und Dürre in der Lombardei: Comer See soll ausgetrocknete Felder retten
Stand: 24.07.2026, 20:53 Uhr
Norditalien steckt in einer schweren Wasserkrise. Der Comer See soll helfen – doch Umweltschützerinnen und Umweltschützer werfen den Energiekonzernen Profitgier vor.
Frankfurt – Der Comer See funkelt in der Sommersonne – doch hinter der idyllischen Fassade verbirgt sich eine ernste Notlage. Ausbleibende Niederschläge und anhaltende Hitze haben die Lombardei in eine Wasserkrise gestürzt, die nun ungewöhnliche Maßnahmen erfordert, wie RaiNews berichtet. Das Wasser des beliebten Alpensees soll die ausgetrockneten Äcker der Po-Ebene retten. Auch der Gardasee leidet unter der Hitzewelle.

Anfang Juli 2026 einigten sich die Region Lombardei und die Betreiberinnen und Betreiber der Alpinstauseen auf ein Notabkommen. Die Energiekonzerne Enel, A2A und Edison verpflichten sich laut LeccoToday und Giornale di Lecco, täglich vier Millionen Kubikmeter Wasser aus ihren Speichern in den Comer See einzuleiten – über einen Zeitraum von 15 Tagen. Von dort fließt das kostbare Nass über den Adda-Fluss zu den Landwirtinnen und Landwirten, deren Felder unter dem Wassermangel leiden.
Wasserspiegel sinkt dramatisch unter Normalwert
Regionalassessor Massimo Sertori erklärte: „Mit dieser Vereinbarung sollten wir es in den nächsten 15 Tagen schaffen, ausreichende Abflüsse für die wichtigsten landwirtschaftlichen Flächen im Einzugsgebiet des Adda-Flusses zu sichern.“ Die Krise komme nicht überraschend, betonte Sertori: Ein schneearmer Winter und ein trockener Frühling hätten die Situation vorhersehbar gemacht. Das Wasserdefizit im Adda-Einzugsgebiet liegt laut Regionaldaten bei über 40 Prozent im Vergleich zum historischen Mittelwert.
Auch der Comer See selbst kämpft mit den Folgen der Dürre. Wie EspansioneTv berichtet, fiel der Wasserspiegel Ende Juli auf mehr als 20 Zentimeter unter den hydrometrischen Nullpunkt – jenen Referenzwert, der einen normalen Seepegel markiert. Innerhalb eines Monats verlor der See rund 90 Zentimeter. Franco Binaghi, Direktor der Einzugsgebietsbehörde Lario, gibt zwar vorerst Entwarnung für die Häfen, warnt jedoch: Sollte der Pegel weiter fallen, könnte sich die Lage rasch zuspitzen.
Nicht alle begrüßen das Abkommen. Der Geologe und Umweltschützer Gianni Del Pero, ehemaliger WWF-Präsident der Lombardei, übt scharfe Kritik, wie ComoZero berichtet. Del Pero rechnet vor: Die Stauseen hätten in zwei Monaten über 130 Millionen Kubikmeter Wasser angesammelt. Seine Schlussfolgerung: „Trotz der schweren Wasserkrise in der Lombardei ‚genehmigen‘ die Betreiberinnen und Betreiber der alpinen Stauseen gerade einmal 4 Millionen Kubikmeter Wasser pro Tag für 15 Tage.“ Wasser sei ein öffentliches Gut, das in Konzession vergeben werde – Trinkwasser sowie Landwirtschaft müssten Vorrang vor der Stromproduktion haben. Auch Urlauber sollten einige Dinge beachten.
Behörden verstärken Kontrollen an lombardischen Flüssen
Die Region Lombardei hat einen ständigen Runden Tisch zur Wasserkrise einberufen, der regelmäßig tagt. Zusätzlich plant die Behörde laut Lecco Notizie, die Kontrollen entlang der lombardischen Flüsse zu verstärken, um die Einhaltung der Entnahmevorschriften zu sichern. Der Osservatorio permanente des Po-Distrikts stuft die Lage derzeit als „mittlere Wasserknappheit“ ein. (Quellen: rainews.it, giornaledilecco.it, comozero.it, espansionetv.it, leccotoday.it, lecconotizie.com) (bs)