Diaspora-Besuch im Kosovo: «Albaner lieben es, VIP zu sein»
Im Club Venom in Pristina wird im Sommer vor allem Schweizerdeutsch gesprochen. Gäste feiern bis in den Morgen und schwärmen von der ausgelassenen Atmosphäre. 20 Minuten ist mittendrin.
- 5 min read
Publiziert26. Juli 2026, 12:52
Ausgang in PristinaLounges und Bottle Service: «Albaner lieben es, VIP zu sein»
Im Club Venom in Pristina wird im Sommer vor allem Schweizerdeutsch gesprochen. Gäste feiern bis in den Morgen und schwärmen von der ausgelassenen Atmosphäre. 20 Minuten ist mittendrin.


Darum gehts
- Während der Sommerferien in Kosovo gehört für viele aus der Diaspora mindestens eine Partynacht dazu.
- Im Club Venom feiern im Juli und August bis zu 90 Prozent Schweizer Gäste – sie schätzen die offenere Stimmung gegenüber der Schweiz.
- Für Managerin Nora (35) bringen die Schweizer einen speziellen Vibe in den Club. Sie beobachtet, dass manche Gäste für eine Partynacht in Pristina mehr ausgeben als zu Hause.
Drinnen geht die Party erst los, draussen ziehen dröhnende Motoren die Blicke auf sich. Lamborghinis, Porsches und andere Luxusautos mit Schweizer Kennzeichen reihen sich vor dem bekannten Club Venom in Pristina aneinander. Vor dem Eingang bildet sich eine Schlange, allerdings fast ausschliesslich aus Männern. Der Grund: Frauen kommen gratis rein, Männer nur mit einer Reservation.
Für viele junge Menschen aus der kosovarischen Diaspora gehört ein Clubbesuch in den Sommerferien mit dazu. «Hier macht es viel mehr Spass als zu Hause», sagt der 19-jährige Sali aus dem Kanton Glarus. Eigentlich stammt seine Familie aus Nordmazedonien, zum Feiern ist er aber nach Pristina gekommen. «Die Stimmung ist Bombe und die Leute sind viel offener als in der Schweiz.»

80 bis 90 Prozent Schweizer Gäste
Sali und seine Freunde haben für den Abend eine Lounge reserviert. Auf dem Tisch stehen mehrere Eiskübel voller Getränke. Ein ähnliches Bild zeigt sich an fast jedem der Tische. In der Nacht auf Sonntag wird im Venom viel Schweizerdeutsch gesprochen. Kein Zufall, sagt Clubmanagerin Nora. «Im Sommer stammen zeitweise 80 bis 90 Prozent unserer Gäste aus der Schweiz.»
Ihr Vater Alex gründete den Club vor fünf Jahren. Heute gehört das Venom zu den bekanntesten Adressen des kosovarischen Nachtlebens. «Es macht unglaublich viel Spass, wenn die Schweizer hier sind. Sie bringen gute Energie mit, flirten, feiern und sind einfach in Ferienlaune.»
Diese ist Elton und seinen Freunden aus Bern schon von Weitem anzumerken. «Habt ihr die Autos vor dem Club gesehen? Viele davon gehören uns», erzählt einer der Männer stolz, während er an einer Zigarre zieht. Feiern wird er noch bis in die frühen Morgenstunden, aber lieber unerkannt.

«Die Stimmung hier ist eine ganz andere als in den Schweizer Clubs»
Was den besonderen Reiz des Nachtlebens in Pristina ausmacht? Elton deutet auf die Menschen um sich herum. «Schaut euch um. Die Stimmung hier ist eine ganz andere als in den Schweizer Clubs», sagt er und lässt seinen Blick von den Lounges über die dicht gedrängte Menge schweifen. Auch für Duana (25) aus Stuttgart gibt es keinen besseren Ort, um feiern zu gehen. «Hier ist es tausendmal besser als in Deutschland.»
Während der Nacht spricht 20 Minuten mit fast allen Partygängern in den Lounges. Viele nennen neben der ausgelassenen Stimmung noch einen zweiten Grund, weshalb sie in Kosovo feiern gehen: die Frauen. «Hier könnte die beste Musik laufen, und dennoch wäre der Club ohne hübsche Frauen leer», sagt ein Schweizer in der Schlange draussen.
«Viele lieben es, zu zeigen, was sie haben»
An grossen Partys arbeiteten rund 150 Mitarbeitende im Club, bis zu 6000 Menschen feierten gleichzeitig. Internationale Stars wie French Montana oder Central Cee sind hier bereits aufgetreten. «Wir wollen den Kosovo international sichtbarer machen und jungen Menschen besondere Erlebnisse bieten», sagt Nora. Die verrückteste Nacht habe die Kosovo-Amerikanerin aber erlebt, als der spanische Rapper Morad aufgetreten sei. «Die Autos stauten sich über mehrere Kilometer bis zur Pristina Mall, drinnen drängten sich Tausende Schulter an Schulter.»

Dass das Konzept funktioniert, zeigt sich auch in den Lounges. «Albaner lieben es, VIP zu sein», sagt die Managerin lachend. Bottle Service, reservierte Tische und ein luxuriöses Ambiente gehören für viele Gäste dazu. Wie viel diese an einem Abend ausgeben, will sie zwar nicht verraten. Ihre Beobachtungen aber sind eindeutig: «Viele lieben es, zu zeigen, was sie haben. Deshalb geben manche hier wohl mehr Geld für eine Partynacht aus als in der Schweiz.»
Das deckt sich mit dem Gefühl von 20 Minuten. Alle paar Minuten werden vom Servicepersonal Wodka-Flaschen und Red Bulls gebracht. Als 20 Minuten den Club gegen 2.30 Uhr verlässt, ist der angekündigte Live-Act noch nicht einmal auf der Bühne. Auch deshalb ist für Sali noch lange nicht Schluss. Lachend sagt er: «Vor sechs Uhr bin ich heute sicher nicht zu Hause.»
Was macht für dich einen gelungenen Clubabend im Ausland aus?
Die ausgelassene Stimmung und eine andere Mentalität als zu Hause.
Dass man sich mal etwas Besonderes gönnen kann – wie VIP-Service oder eine Lounge.
Die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen und zu flirten.
Die Live-Acts und die Musik, die man sonst nicht hört.
Ich gehe lieber in der Schweiz aus, da weiss ich, was ich habe.
Ich gehe generell selten in Clubs, egal wo.

Lynn Sachs (sac) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin des Ressorts News.

Carolin Teufelberger (cat) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Redaktorin beim Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.
Deine Meinung zählt
Darum wurde das Kommentarfeld deaktiviert