Thorsten Frei: Wie politisch darf die Kirche für ihn sein?

tzPolitikStand: 26.07.2026, 14:09 UhrKommentareUns auf Google folgenDer künftige Unions-Fraktionschef ist katholisch und sieht Kirche als weltverändernde Kraft. Doch bei aktueller Politik zieht er Grenzen. Eine...

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Thorsten Frei: Wie politisch darf die Kirche für ihn sein?

Stand: 26.07.2026, 14:09 Uhr

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Der künftige Unions-Fraktionschef ist katholisch und sieht Kirche als weltverändernde Kraft. Doch bei aktueller Politik zieht er Grenzen. Eine Einordnung von Oliver Marquart.

Thorsten Frei, der künftige Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat in seinem Büro zwei Gegenstände: Ein Kruzifix und eine Kuckucksuhr. Laut eigener Aussage verbinden sie ihn mit seiner baden-württembergischen Heimat.

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Doch wer möchte, kann darin auch mehr sehen. Hier ein Symbol für seinen katholischen Glauben, dort eins für seine Heimat. Frei, geboren 1973 in Bad Säckingen, ist römisch-katholisch, verheiratet und Vater von drei Kindern. Damit unterscheidet er sich nicht großartig von seinem Vorgänger Jens Spahn, der ebenfalls katholisch ist. 

Zwei Männer, dahinter ein CDU-Log

Thorsten Frei (rechts), davor sein Amtsvorgänger Jens Spahn (CDU). © IMAGO/MICHAEL BIHLMAYER

Ministrant klingt zu sehr nach „Demonstrant“

Seine eigene Herkunftserzählung hat Frei einmal in einer Pointe verdichtet: Er sei schon immer so konservativ gewesen, dass er nicht Ministrant werden wollte – weil das nach „Demonstrant“ geklungen habe. Das klingt nach einem Selbstbild, in dem Ordnung, Abgrenzung und Skepsis gegenüber jeglichem Protest wichtige Rollen spielen.

Frei versteht Religion nicht ausschließlich als Privatsache. Christentum sei für ihn auch politisch, hat er dem „Stern“ mal erzählt. Als Beispiel nannte er die Rolle der Kirchen bei der Demokratisierung Polens und beim Ende der DDR. Kirche, so seine Schlussfolgerung, könne auch heute noch die Welt verändern.

Interessant ist, dass dies für Frei offenbar nicht immer gilt. In einem Beitrag für „Christ in der Gegenwart“ mit dem Titel „Seelsorge ist nicht Sozialarbeit“ warnt Frei davor, dass sich Kirchen zu stark tagespolitischen Themen zuwenden. Eine Kirche, die sich konkreten politischen Zielen verschreibe, müsse auch wie ein politischer Akteur behandelt werden und sich Kritik stellen. Seine Argumentation: Wer sich in den politischen Streit einmischt, verliert einen Teil seiner besonderen Stellung.

Wann darf Kirche politisch sein?

Frei beruft sich dabei auf ein klassisches Motiv konservativer Kirchenkritik: Die Kirche soll nicht zur NGO mit Kreuz werden. Sie soll ein „Zufluchtsort für die Seele“ bleiben, schreibt er, und verweist auf Jesu Warnung vor den Pharisäern, die ihr eigenes Spiel spielten und vorgäben, nur das Gute zu wollen. Die Seelsorge sei geistliche Begleitung – „keine klassische Sozialarbeit“.

Politisch darf Kirche also laut Frei nur dann sein, wenn es um große historische Linien geht. Politisch darf sie auch sein, wenn sie Grundsätze vertritt, die mit konservativen Wertvorstellungen übereinstimmen. Schwieriger wird es offenbar dort, wo kirchliche Stellungnahmen konkrete politische Entscheidungen betreffen, die womöglich den Positionen der eigenen Partei entsprechen.

Freis Position zum Thema Leihmutterschaft

Dieses Spannungsverhältnis zeigte sich auch beim Thema Leihmutterschaft. Frei lehnt eine Legalisierung entschieden ab – auch die sogenannte altruistische Variante ohne Bezahlung. Seine Argumentation stützt sich auf Menschenwürde, Embryonenschutz und den Schutz potenzieller Leihmütter vor sozialen oder finanziellen Zwängen. „Leihmutterschaft widerspricht diesen Prinzipien, da sie den Embryo und die Schwangerschaft instrumentalisiert“, erklärte er laut „abgeordnetenwatch.de“.

Im Zusammenhang mit der Debatte um seinen Parteikollegen und Amtsvorgänger Jens Spahn und dessen persönliche Entscheidung zur Leihmutterschaft, die ihn letztlich das Amt kostete, äußerte er sich jedoch nicht.

Wann ist Glaube eine öffentliche Kraft – und wann wird er zur Einmischung? Bei Thorsten Frei hängt die Antwort offenbar stark davon ab, worüber gerade gesprochen wird.