Nachfolge von CDU-General Linnemann: Hopper – wer?

Die Hamburgerin Franziska Hoppermann soll CDU-Generalsekretärin werden. Sie wird dem liberalen Flügel zugeordnet. Ganz so liberal ist sie dann aber doch nicht. Franziska Hoppermann soll von der Scha...

  • 4 min read
Nachfolge von CDU-General Linnemann: Hopper – wer?

Die Hamburgerin Franziska Hoppermann soll CDU-Generalsekretärin werden. Sie wird dem liberalen Flügel zugeordnet. Ganz so liberal ist sie dann aber doch nicht.

Porträt von Franziska Hoppermann
Franziska Hoppermann soll von der Schatzmeisterin der Partei zur Generalsekretärin befördert werden

Foto: Soeren Stache/dpa

Gernot Knödler

Jetzt wird es wohl doch noch was mit dem Posten der CDU-Generalsekretärin. Die Hamburger Bundestagsabgeordnete Franziska Hoppermann hatte sich für das Amt schon einmal beworben, 2021 im Team mit dem Außenpolitiker Norbert Röttgen. Letzterer kandidierte damals gegen Friedrich Merz und Armin Laschet um den CDU-Vorsitz – mit Hoppermann im Schlepptau.

Auch wenn die offizielle Bestätigung noch aussteht: Der heutige CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Merz scheint sich daran nicht zur stören und will die bisherige Schatzmeisterin der Partei zur Generalsekretärin befördern. Offenbar teilt er die Einschätzung Röttgens, der Hoppermann damals als intellektuell, organisatorisch talentiert und kommunikativ pries – alles Eigenschaften, die man für diesen Job braucht.

Dass sie intellektuell nicht unbedarft ist, darauf deutet schon hin, dass sie bei ihrem BWL-Studium in Hamburg von der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert wurde. Zeitweilig arbeitete sie parallel als wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten, neben ihrem Mandat in der Bezirksversammlung Hamburg-Wandsbek.

Nach dem Studium trat sie in den höheren Verwaltungsdienst der Hansestadt ein, wo sie zuletzt das Zentralamt der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz leitete. Bei der Behörde war sie nach eigener Aussage eng in das Krisenmanagement des Stadtstaates eingebunden. Nicht zuletzt deshalb wurde sie zur Vorsitzenden der Corona-Enquetekommission des Bundestags gewählt.

Die „Erfahrungsfeministin“

Hoppermann, bis dato Bundesschatzmeisterin der CDU, gehört zum Arbeitnehmerflügel der Partei und wird deren liberalem Spektrum zugeordnet. Bei ihrer Vorstellung mit Röttgen 2021 kündigte sie an, sie wolle die Partei modernisieren: Den Mitgliedern solle mehr Teilhabe zugestanden werden, die Partei solle digitaler werden und sich den großen Zukunftsthemen zuwenden.

Ganz so liberal ist die Frau, die in einer kinderreichen katholischen Familie aufwuchs, allerdings nicht: Sie kritisierte die Migrationspolitik der Ampelregierung, findet die Legalisierung von Cannabis falsch und auch, dass das „Werbeverbot“ für Schwangerschaftsabbruch aufgehoben wurde. 2018 sprach sie sich für ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren aus.

„Ich möchte in einem Land leben, in dem Gemeinsinn und Patriotismus im Zentrum stehen“, sagte sie bei ihrer Bewerbung vor fünf Jahren. Vorbild ist ihr Großvater Carl Damm, der 15 Jahre lang bis 1980 für die CDU im Bundestag saß. Zeitgemäßer Konservatismus ist ihrer Ansicht nach „allem voran die Zusage, dass der Staat klappt“.

Seit 2017 ist Hoppermann Vorsitzende der Hamburger Frauen-Union. Sie bezeichnet sich als „Erfahrungsfeministin“ und findet, dass es mehr sichtbare Frauen in der Union brauche, um die Partei für Frauen attraktiver zu machen. Damit ist sie jetzt ein Stückchen weiter.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community!

Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

Porträtfoto von Carsten Linnemann

Reaktionen auf Kabinettsumbau

„Das lässt Schlimmes befürchten“

Die Meinungen zur Nominierung von Carsten Linnemann als Gesundheitsminister gehen weit auseinander. Die Opposition kritisiert fehlende Expertise.

Von Adam Schwedhelm

Friedrich Merz mit Kolleg:innen bei einem Pressetermin

Merz baut Regierung um

Stühlerücken im Kanzleramt

Nachdem er Thorsten Frei vom Kanzleramt auf den Fraktionsvorsitz weggelobt hat, baut Merz sein Kabinett um. Eine Generalüberholung mit einigen Risiken.

Von Anna Lehmann und Sabine am Orde

Nina Warken, Philipp Amthor, Friedrich Merz und Carsten Linnemann bei einer Pressekonferenz

Umbau der Bundesregierung

Ein bisschen Diversität, endlich

Kommentar von Sabine am Orde

Endlich setzt Merz nicht nur auf Männer, die so ticken wie er. Das ist nötig, um seine Kanzlerschaft herumzureißen. Aber das allein wird nicht reichen.

Werbegrafik für ein Probeabo der wochentaz: Oben steht groß in roten Blockbuchstaben „TAZ THE RICH“. Darunter liegt schräg eine Ausgabe der wochentaz, auf deren Umschlag eine gezeichnete Person zu sehen ist, die einen Globus mit Zeitungsausschnitten betrachtet. Links davor prangt ein schwarzer Sternaufkleber mit dem Angebot „10× für 10 €“.

10 Ausgaben für 10 Euro

Die Wochenzeitung mit taz-Blick

Wir schauen den Superreichen auf die Finger. Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die woanders nicht gehört werden.

  • Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus
  • Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion

Jetzt kennenlernen

0 Kommentare