Nur eine gute Stunde von München: Schlucht der Superlativen, die kaum einer kennt

tzBayernStand: 18.07.2026, 18:30 UhrKommentareUns auf Google folgenHilde Baumgart zeigt die wilde Schönheit der Gießenbachklamm bei Kiefersfelden. © Johannes WelteDie Gießenbachklamm bei Kiefersfelden ist eine ...

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Nur eine gute Stunde von München: Schlucht der Superlativen, die kaum einer kennt

Stand: 18.07.2026, 18:30 Uhr

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Hilde Baumgart zeigt die wilde Schönheit der Gießenbachklamm bei Kiefersfelden. © Johannes Welte

Die Gießenbachklamm bei Kiefersfelden ist eine der schönsten Schluchten Bayerns. Am Anfang der Wanderung steht ein hölzernes Wasserrad – das größte seiner Art im Freistaat.

Kiefersfelden – Waren Sie schon mal im Paradies? Das liegt bei Kiefersfelden, und man muss für einen Besuch nicht das Zeitliche segnen: Kurz hinter dem Ortsteil mit dem himmlischen Namen beginnt eine Wanderung durch eine der schönsten Klammen Bayerns, die nur wenige kennen: die Gießenbachklamm.

Der Sachs-Steg am Ende der Klamm bietet spektakuläre Tiefblicke.

Der Sachs-Steg am Ende der Klamm bietet spektakuläre Tiefblicke. © Johannes Welte

Eine, die diese Schlucht wie ihre Westentasche kennt, ist Hilde Baumgart von der Touristinfo in Kiefersfelden: „Gerade wenn es heiß ist, kann man sich hier schön abkühlen.“ Zwar führt der glasklare Bach in diesem Sommer nicht so viel Wasser, aber er fällt immer noch in türkisblauen Kaskaden von Gumpe zu Gumpe.

Schlucht an der Tiroler Grenze wartet mit Überraschungen und Rekorden auf – nahe der Autobahn

Gleich am Anfang empfängt uns ein Wasserrad aus Holz – das größte seiner Art in Bayern (Karte unten: 2). „Das Rad hat 1997 unser Zimmermeister Sebastian Bleier errichten lassen“, erklärt Baumgart. Es deckt den Eigenbedarf der Familie. „Der Rest versorgt weitere 35 Haushalte“, so Baumgart. Das Wasser wird oberhalb mit einem kleinen Wehr vom Gießenbach abgezapft. Etwa 50 Meter weiter versteckt sich im Unterholz die Ruine einer Sägemehlmühle. „Gemischt mit Schwarzpulver bildeten die fein gemahlenen Sägespäne ein hochexplosives Gemisch für Sprengungen im nahen Steinbruch und beim Abbau des Kalkmergels“, berichtet unsere Führerin.

Autor Johannes Welte am Ortsschild des Gemeindeteiles „Paradies“.

Autor Johannes Welte am Ortsschild des Gemeindeteiles „Paradies“. © Johannes Welte

Bald erreichen wir ein idyllisches Häuschen, mit Geranien geschmückt, die in einem alten Rohrverschluss gepflanzt sind: „Das Wasserkraftwerk Gießenbach wurde 1910 errichtet und war das erste kommunale Wasserkraftwerk Bayerns“, erklärt Baumgart stolz. „Der hier erzeugte Strom reicht für 300 Haushalte“, verrät Baumgart und weist auf der Rückseite auf eine betende Madonnenfigur hin, die gen Himmel schaut. „Sie stellt die Verbindung dar zwischen technischer Energie als Menschenwerk und göttlicher Kraft.“

Schon vor 116 Jahren setzte man in Kiefersfelden auf regenerative Energie: die Wasserkraft

Hinter dem Kraftwerk erreicht man eine Treppe mit 180 Holz- und Stahlstufen, die zum hölzernen „Wasserschloss“ führen, das sicherstellt, dass kontinuierlich rund 400 Liter Wasser pro Sekunde mit 53 Metern Gefälle zum Kraftwerk stürzen.

Der kleine Stausee unterhalb der Schopperalm. Hinter ihm locken Kiesbänke zum Fußbad.

Der kleine Stausee unterhalb der Schopperalm. Hinter ihm locken Kiesbänke zum Fußbad. © Johannes Welte

Oben angekommen, bietet der gut abgesicherte Steig atemberaubende Blicke in die Tiefe der Klamm, während unten der Bach zwischen den Felswänden rauscht. Gegenüber haben kleine Kaskaden bizarre Felsen aus Sinterkalk geformt, Fichten klammern sich an winzige Felsvorsprünge, Vögel zwitschern im Laub versteckt. Schließlich erreichen wir eine Brücke über die Schlucht – den stählernen Sachs-Steg (3). Er ist nach dem Schweinfurter Industriellen Ernst Sachs benannt, dem Großvater der Jetset-Ikone Gunter Sachs, dessen Familie in der Region begütert ist. „Dank einer Spende von Ernst Sachs wurde 1932 der erste massive Steg über die Gießenbachklamm gebaut“, berichtet uns Baumgart. 2019 wurde ein neuer Sachs-Steg per Hubschrauber eingehoben.

Die Details der Wanderung

Die Route durch die Gießenbachklamm und über die Breitenau zurück.

Die Route durch die Gießenbachklamm und über © Maplibre | © komoot Map data© OpenStreet Map Mitwirkende

Anreise per Zug: Bis Bahnhof Kiefersfelden. Der Wilhelm-Körner-Straße folgen, dann der Rosenheimer Straße. Vor der Brücke links abbiegen und dem Kieferbach bis zum Aufgang zum Hechtsee (schöne Bademöglichkeit) folgen. Dann über den Bach, der Thierseestraße bis zum Mühlrad folgen. Hier biegt der Weg durch die Gießenbachklamm ab.

Mit dem Auto: A93 bis Ausfahrt Kiefersfelden, im Ort links in die Rosenheimer Straße und nach 450 Metern an der Thierseestraße rechts abbiegen. Parkplatz (Karte: 1, kostenlos) nach weiteren drei Kilometern.

Charakteristik: Leichte Wanderung, 1,4 Kilometer ab Mühlrad, 100 Höhenmeter bis zur Schopperalm (Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr). Rückweg via Breitenau (5) zurück zur Thierseestraße. Festes Schuhwerk empfohlen. Route bei komoot hinterlegt. Weitere Infos: kaiserreich.de

Die Schopperalm am Ende des Weges.

Die Schopperalm am Ende des Weges. Rechts der QR-Code für die Wanderung bei Komoot. © Johannes Welte

Kurz nach dem Steg schimmert uns der kleine, türkisblaue Stausee entgegen, weiter hinten laden Kiesbänke zu einer Plansch-Pause ein. Am Ende des Weges erreichen wir die Schopperalm (4). Nach einer Stärkung geht es wieder zurück.

In der Umgebung gibt es weitere interessante Ausflugsziele: etwa eine ehemalige Waldbahn am Schliersee, deren Spuren man bis in die Almregion verfolgen kann. Im Inntal sorgte ein Ort dafür, dass halb Europa früher Brot backen konnte.