„Verlässlichkeit auf Probe gestellt“: Trump verkündet Deal mit Saudi-Arabien – und nennt kaum erfüllbare Bedingung

StartseitePolitikRiad „sucht das Sowohl-als-Auch“: USA und Saudi-Arabien schließen Atom-Deal – Sorge vor nuklearem WettlaufStand: 24.07.2026, 20:49 UhrKommentareUns auf Google folgenUSA und Saudi-Arabien schlie...

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„Verlässlichkeit auf Probe gestellt“: Trump verkündet Deal mit Saudi-Arabien – und nennt kaum erfüllbare Bedingung

Riad „sucht das Sowohl-als-Auch“: USA und Saudi-Arabien schließen Atom-Deal – Sorge vor nuklearem Wettlauf

Stand: 24.07.2026, 20:49 Uhr

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USA und Saudi-Arabien schließen ein Atom-Abkommen – mitten im Iran-Krieg. Experten warnen vor einem nuklearen Wettlauf in der Region.

Riad/Washington, DC – Mitten im Krieg um das iranische Atomprogramm schließen die USA und Saudi-Arabien ein Abkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie und rücken die Gefahr eines regionalen Atomwettlaufs erneut in den Fokus. Der Nahost-Experte Sebastian Sons (Carpo Bonn) ordnet den Deal gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media ein: Das Königreich sei darauf angewiesen, „nicht nur auf einen Partner, sondern auf verschiedene Allianzen zu setzen, um sich wirtschaftlich und energiepolitisch zu diversifizieren“. Saudi-Arabien suche dabei „stets nach einem Sowohl-als-Auch anstatt nach dem Entweder-Oder“. Zugleich verweist er darauf, dass der Deal auf den ersten Blick wie eine enge Bindung an Washington wirke.

Saudi-Arabiens Kronprinz bin Salman zu Besuch in Washington

Dass Saudi-Arabien die Forderung Trumps nach einer Normalisierung der Beziehungen mit Israel erfüllt, scheint derzeit nicht realistisch. (Archivfoto) © Evan Vucci/AP/dpa

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump teilte am Mittwoch mit, sie wolle Saudi-Arabien beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms unterstützen. Die Energieminister beider Länder unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung, ein weiteres Abkommen über Sicherheitskontrollen soll folgen. Einzelheiten wurden zunächst nicht veröffentlicht. Nach Berichten des Wall Street Journal könnte das Abkommen Saudi-Arabien erstmals den Weg zur Urananreicherung ebnen.

Atom-Abkommen im Schatten des Iran-Kriegs: Saudi-Arabien und USA schließen Deal

Eine gemeinsame amerikanisch-saudische Studie soll prüfen, ob eine entsprechende Anlage im Königreich gerechtfertigt wäre. US-Firmen sollen für 30 Jahre eine zentrale Rolle beim Aufbau der saudischen Atomindustrie erhalten. Der Zeitpunkt ist brisant: Das Abkommen entsteht mitten im Iran-Krieg, den die USA und Israel auch mit der Sorge begründet hatten, der Iran könne nach Atomwaffen streben. Teheran weist dies seit Jahren zurück.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman treibt die zivile Nutzung der Kernenergie seit Jahren voran und betont, sein Land wolle keine Atomwaffen entwickeln. Sollte der Iran diesen Schritt jedoch gehen, werde Saudi-Arabien „so schnell wie möglich“ nachziehen. Sebastian Sons sieht hinter dem Deal hauptsächlich wirtschaftspolitische Motive: Saudi-Arabien müsse sich vom Erdöl emanzipieren, „und der aktuelle Krieg zeigt das mehr denn je“. Die Regierung in Riad erhoffe sich zudem, US-amerikanische Unternehmen ins Land zu holen, „die in die saudische Wirtschaft investieren, somit neue Arbeitsplätze schaffen und dazu beitragen, das ins Wanken geratene Versprechen von Wohlstand und Fortschritt zu realisieren.“

Der Deal verschärft zugleich die Debatte, inwieweit sensible Atomtechnologie in einer ohnehin angespannten Region weiterverbreitet werden könnte. Saudi-Arabien hat zwar den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und eine Kontrollvereinbarung mit der Internationalen Atomenergiebehörde geschlossen. Ein Zusatzprotokoll mit weitreichenderen Inspektionsrechten hat Riad jedoch nicht ratifiziert. Die New York Times berichtete, Trump habe bei dem Deal Kompromisse machen müssen und Bedingungen zugestimmt, die internationale Inspektoren daran hindern könnten, Zugang zu bestimmten Standorten zu bekommen. US-Außenminister Marco Rubio wies Bedenken zurück: Das Abkommen werde „strenge Sicherheitsvorkehrungen“ enthalten.

Atom-Abkommen mit Saudi-Arabien auf der Kippe: Trumps Kurswechsel als Belastungstest

Bereits kurz nach der Verkündung relativierte Trump den Deal wenige Stunden später: Das Abkommen sei „komplett abhängig“ davon, ob Saudi-Arabien den Abraham-Abkommen beitrete und damit seine Beziehungen zu Israel normalisiere. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt bestätigte die neue Bedingung. Eine mit den Verhandlungen vertraute Quelle berichtete der Times, es habe keinerlei Hinweis darauf gegeben, dass eine Israel-Normalisierung Bedingung des Deals sei. Leavitt räumte ein, dass Trump nach seinem Post nicht mit Kronprinz Mohammed bin Salman gesprochen hatte.

„Es ist schon seltsam, dass dieser Punkt in der Ankündigung ausgelassen wurde, falls er eigentlich hätte enthalten sein sollen. Das lässt einen über den Ablauf nachdenken“, ordnete der Nahost-Experte Jon Alterman vom Washingtoner Thinktank Center for Strategic and International Studies ein. Sons sieht darin einen direkten Belastungstest für die amerikanisch-saudischen Beziehungen: „Die Verlässlichkeit der USA wird direkt wieder auf die Probe gestellt.“

Trump werde in Riad nicht als verlässlicher Partner wahrgenommen, „sondern als Kriegstreiber, der Saudi-Arabiens Sicherheit gefährdet“, so Sons. Dass Saudi-Arabien die Forderung erfüllt, gilt als unrealistisch. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der arabischen Welt eine Anerkennung Israels überwiegend ab. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßte Trumps Forderung dennoch als „historischen Schritt nach vorn für den Frieden im Nahen Osten“.

Inmitten des aktuellen Iran-Kriegs: Risiko eines regionalen Atomwettlaufs

Fachleute warnen, dass andere Staaten der Region ähnliche Ansprüche stellen könnten. Genannt werden die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei und Ägypten. Auch in Washington wächst die Sorge: Senator Chris Murphy warnte im US-Kongress, das Abkommen werde „einen nuklearen Wettlauf in der Region auslösen und den Iran weiter davon abhalten, sein Programm zu begrenzen“. Besondere Aufmerksamkeit erregt die vertiefte Zusammenarbeit zwischen Riad und Islamabad: Nach Israels Angriff auf Hamas-Vertreter in Katar unterzeichneten Saudi-Arabien und Pakistan laut Deutscher Presse-Agentur ein Abkommen, das Riad auch Zugang zum pakistanischen Atomprogramm ermöglichen könnte.

Saudi-Arabiens Anerkennung Israels hätte eine weit über die Region hinausreichende Signalwirkung: Als Hüterin der islamischen Heiligen Stätten könnte Riad damit den Weg für andere islamische Länder wie Pakistan oder Indonesien ebnen. Sons sieht derweil vorerst keine weitere Eskalationsstufe zwischen Riad und Abu Dhabi: Beide Akteure verfolgten trotz ihrer Differenzen ähnliche Ziele: „technologischen Fortschritt und wirtschaftliche Entwicklung“. Ob der Deal tatsächlich umgesetzt wird, entscheidet sich nun im US-Kongress, wo ebenfalls Widerstand erwartet wird. (Quellen: eigene Recherche, Times, Wall Street Journal, New York Times, dpa) (fbu)