Unions-Fraktionschef Jens Spahn tritt nach Debatte um Leihmutter zurück
Unionsfraktionschef Jens Spahn tritt angesichts der Debatte um seine Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter in den USA zurück. Das geht aus einem Schreiben Spahns an die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion hervor, das am Samstag bekannt wurde. Kanzler und CDU-Chef Merz bezeichnete Spahns Rücktritt als "richtig" und "unvermeidlich". Der Koalitionspartner äußert Respekt – andere bezeichnen den Rückzug des 46-Jährigen als überfällig.
- 5 min read
Leihmutter-Affäre
Unionsfraktionschef Spahn tritt zurück – Merz: Schritt "unvermeidlich"
Stand: 18.07.2026 18:25 Uhr
Unionsfraktionschef Jens Spahn tritt angesichts der Debatte um seine Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter in den USA zurück. Das geht aus einem Schreiben Spahns an die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion hervor, das am Samstag bekannt wurde. Kanzler und CDU-Chef Merz bezeichnete Spahns Rücktritt als "richtig" und "unvermeidlich". Der Koalitionspartner äußert Respekt – andere bezeichnen den Rückzug des 46-Jährigen als überfällig.
von MDR AKTUELL
- Merz bezeichnet Rücktritt als "unvermeidlich"
- Spahn: Persönliches Glück unvereinbar mit politischem Amt
- Opposition: Rückzug war überfällig
- Spekulationen um Spahn-Nachfolge haben begonnen
Nachrichten personalisieren
MDR.de bei Google als bevorzugte Quelle wählen
Die Nachrichtenlage ist unübersichtlich und Sie wollen aktuelle Informationen aus Ihrer Region, die für Sie relevant sind? Dann legen Sie MDR.de als bevorzugte Quelle in der Google-Suche fest. So funktioniert's.
CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn hat seinen Rücktritt erklärt. In einem Schreiben an die Fraktion schreibt er: "Ich habe die Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, darüber informiert, dass ich mit diesem Schreiben an unsere Fraktion von meinem Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurücktrete."
Video: Unionsfraktionschef Spahn tritt zurück (1 Min)
Merz bezeichnet Rücktritt als "unvermeidlich"
Bundeskanzler Merz bezeichnete Spahns Rücktritt als "richtig" und "unvermeidlich". Glaubwürdigkeit sei in der Politik das höchste Gut, teilte Merz in einer Erklärung mit. Zugleich dankte der Kanzler Spahn für die Zusammenarbeit.
Jens Spahn ist als Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU zurückgetreten.
Zuvor hatte Merz in seiner Funktion als CDU-Chef Spahn zum Rücktritt aufgefordert, wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Merz' Umfeld berichtet hatte. Andere Rücktrittsforderungen aus der CDU waren dem vorausgegangen.
Der CDU-Politiker Spahn war unter Druck geraten, weil er und sein Mann die Hilfe einer Leihmutter in den USA in Anspruch genommen hatten. In Deutschland ist eine Leihmutterschaft verboten, die CDU lehnt sie zudem ausdrücklich ab.
Spahn: Persönliches Glück unvereinbar mit politischem Amt
Spahn erklärte in seinem Schreiben, ihm sei in den vergangenen Tagen bewusst geworden, dass sein persönliches Glück, gemeinsam mit seinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar sei mit seinem politischen Amt: "Denn der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion ist größer geworden, als ich es erwartet hatte."
Als den richtigen Schritt bezeichnete auch die Thüringer CDU den Rücktritt: Generalsekretär Niklas Waßmann teilte mit, Spahn habe die richtige Konsequenz gezogen. Das respektiere die Thüringer CDU. Die Diskussion darum, dass Spahn und sein Mann durch Leihmutterschaft Eltern geworden sind, habe viele Parteimitglieder und viele andere Menschen bewegt. Zugleich verwies Waßmann darauf, dass das Kind und seine Familie nicht Gegenstand der öffentlichen Debatte werden dürften.
SPD-Fraktionschef wünscht Spahn "viel Kraft"
Unterdessen hat sich auch Koalitionspartner SPD zum Spahn-Rücktritt geäußert. Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Bundestag, Matthias Miersch, sagte, Spahn und er hätten in der Koalition "sehr eng und vertrauensvoll" zusammengearbeitet. Zur politischen Bewertung der Vorgänge äußere er sich nicht, das sei eine Frage, die die Union mit sich selbst klären müsse. "Als Mensch kann ich erahnen, was die letzten Stunden für Jens Spahn und seine Familie bedeutet haben", sagte Miersch. Er wünsche Spahn und seiner Familie für die Zeit nach dem Amt alles Gute und viel Kraft. Ähnlich äußerte sich CSU-Chef Markus Söder.
Jens Spahn im Gespräch mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch (rechts), der Spahn für die gute Zusammenarbeit in der Koalition dankte.
Linken-Chef Luigi Pantisano und die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner nannten den Rücktritt in der "Rheinischen Post" "längst überfällig" und verwiesen auf frühere Fehler Spahns, wie etwa den überteuerten Maskenkauf. Ähnlich äußerte sich AfD-Chefin Alice Weidel auf der Plattform X. FDP-Chef Wolfgang Kubicki nannte Spahns Verhalten einen weiteren moralischen Tiefpunkt der CDU.
Spekulationen um Spahn-Nachfolge: Hoffmann soll Fraktion vorübergehend führen
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Sonnabend unter Berufung auf Unionskreise, die Suche nach einem möglichen Spahn-Nachfolger habe schon vor dessen Rücktritt begonnen. Eine Entscheidung soll aber noch nicht gefallen sein. Als denkbar wird der Agentur zufolge erachtet, dass die Nachbesetzung intern aus der Fraktion geklärt wird. Als Option gilt demnach aber auch, dass Kanzleramtschef Thorsten Frei an die Spitze der Fraktion wechselt – was allerdings eine Neubesetzung im Kanzleramt nötig machen würde. "Bis zur Wahl eines neuen Fraktionsvorsitzenden werde ich die Amtsgeschäfte übernehmen. Die Fraktion bleibt entscheidungs- und handlungsfähig", kündigte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann an.
CDU-Chef Merz teilte mit, dass er in Abstimmung mit dem Vorsitzenden der CSU, Markus Söder, einen Vorschlag für die Neubesetzung im Fraktionsvorsitz machen werde. "Verfahren und Zeitplan werden jetzt mit den Gremien der Partei und der Fraktion abgestimmt."
Reuters/dpa/AFP (dni, lde)
Spahns Karriere
Ehrgeiz und Wille zur Macht
Die politische Karriere Spahns begann früh - mit 22 Jahren als CDU-Bundestagsabgeordneter. Er profilierte sich schnell. Als Gesundheitsminister überstand Spahn die Corona-Maskenaffäre. Ein Rückblick.
ARD-Korrespondent zum Rücktritt Spahns
"Das Personalkarussell beginnt sich jetzt zu drehen"
Die Union muss nach nach dem Rücktritt von Spahn einen neuen Fraktionsvorsitzenden suchen. Gehandelt werden unter anderem Kanzleramtschef Frei und Innenminister Dobrindt. Aber das hätte weitere Folgen. Eine Einschätzung aus dem ARD-Hauptstadtstudio.
Aus fürs Highfield
Bürgermeister von Großpösna hofft auf neues Festival
Das Highfield ist nicht das erste Festival in Mitteldeutschland, das aufhört. Der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft sieht die gesamte Branche unter hohem Kostendruck. Einige Festivals wollen neue Wege gehen.
Nach AfD-Veranstaltung
Steimle: Unnötig aufgebauschter Skandal?
Bei einer AfD-Veranstaltung zum Thema Frieden mit Tino Chrupalla und Ulrich Siegmund trat Kabarettist Uwe Steimle auf. Danach gab's viel Trubel.
Endokrinologe
Testosteron macht Männer nicht zu Kriegsmaschinen
US-Kriegsminister Pete Hegseth will Testosteron-Tests für Soldaten über 30 zur Pflicht machen. Bei Mangel, soll geboostert werden. Doch Testosteron macht Männer nicht zu Kriegsmaschinen, erklärt Endokrinologe Zitzmann.