Die Freunde von Deutschlands einzigem Bauernhof mit U-Bahn-Anschluss

KI-Stimme. InfoDie Domäne Dahlem ist aus dem Leben von Detlef Neumann nicht wegzudenken. Der 69-Jährige ist in Zehendorf geboren und aufgewachsen. Domänenbesuche gehören da einfach dazu. Bis er 18 Jahre alt war...

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Die Freunde von Deutschlands einzigem Bauernhof mit U-Bahn-Anschluss

KI-Stimme. Info

Die Domäne Dahlem ist aus dem Leben von Detlef Neumann nicht wegzudenken. Der 69-Jährige ist in Zehendorf geboren und aufgewachsen. Domänenbesuche gehören da einfach dazu. Bis er 18 Jahre alt war, ist er regelmäßig auf dem Weg zum Kieferorthopäden an den Feldern entlanggeradelt. Später hat er den alten Ami Rik De Lisle und den US-Militärsender AFN Berlin gehört, der von der Domäne sendete und dort einen 125 Meter hohen rot-weißen Sendemast betrieb.

Wenn sie von der Domäne zurückkommt und ganz glücklich strahlt, hat sie wieder süße Ferkel gesehen.

Detlef Neumann, Mitglied im Förderverein

Seine Frau ist gern zu den Feldern gejoggt. „Wenn sie von der Domäne zurückkam und ganz glücklich strahlte, hat sie wieder süße Ferkel gesehen“, sagt der ehemalige Betriebsprüfer beim Finanzamt, der jetzt in Pension ist. Gemeinsame Besuche der Marktfeste und Wochenmärkte sind schon immer feste Termine im Kalender. Da war es für Detlef Neumann, der heute in Steglitz wohnt, nur noch eine Formalie, Mitglied im Förderverein zu werden, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert.

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Seit mehr als zehn Jahren ist er jetzt bei den „Freunden der Domäne Dahlem e. V.“ dabei und damit einer der Längsten in der Runde, die sich an diesem Nachmittag auf dem Gutshof getroffen hat. Markus Wittchen wurde 2019 Mitglied, „weil ich mich regional einbringen und den einzigen Bauernhof mit U-Bahn-Anschluss unterstützen wollte“, sagt der 39-Jahre alte Maschinenbautechniker. Er macht mit, wenn er gebraucht wird, die Domäne sei sein Ausgleich, sein Kontrast zum Alltag. Monika Schmitt hingegen ist noch relativ neu im Verein. Auch sie ist schon jahrelang Stammgast auf den Domänenfesten und hatte gerade überlegt, wie sie ehrenamtlich helfen könnte. Da fiel ihr der Aufruf, Mitglied im Förderverein zu werden, direkt vor die Füße, wie die 66 Jahre alte Marketingmanagerin erzählt.

Land Berlin kürzte die Förderung um 250.000 Euro

Der Aufruf war eher ein Hilferuf. Seit Anfang 2025 muss das einstige Rittergut und heutige Freilandmuseum an der Königin-Luise-Straße 49 mit 250.000 Euro weniger auskommen, die Förderung des Landes Berlin wurde gekürzt. Der Direktor der Domäne Dahlem, Steffen Otte, ergriff daraufhin „Notmaßnahmen, die nicht dauerhaft funktionieren“, wie er sagt. Für ihn gab es zwei Wege, um das Defizit aufzufangen: „Wir mussten an mehr Spenden über den Förderverein kommen und an der Wirtschaftlichkeit drehen.“ Deshalb wurde die Briefaktion gestartet, der Aufruf an private Haushalte geschickt. Mit einer überraschenden Resonanz. Im vergangenen Jahr sind 600 neue Mitglieder dazugekommen, heute hat der Verein knapp 1500 Mitglieder.

Berliner helfen: 50 Jahre Förderverein Domäne Dahlem

Auf den Domänenfeldern: Steffen Otte ist der Direktor der Stiftung Domäne Dahlem und Anke Otto die Vorsitzende des Fördervereins.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Tendenz steigend. „Allein im vergangenen Monat sind 16 Familien eingetreten, das sind 41 Personen“, sagt Anke Otto, seit 2012 Vorsitzende des Vereins der Freunde der Domäne Dahlem. Sie war zuvor Bezirksstadträtin für Umwelt, Jugend und Schule im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf und hatte in dieser Funktion bereits mit dem Landgut zu tun. Da lag es für sie nahe, sich auch weiterhin ehrenamtlich auf der Domäne zu engagieren. Sie habe immer Mitgliedsanträge dabei, erzählt die 78-Jährige, denn für sie ist der Förderverein eine einflussreiche Größe.

Zweimal konnte der Verein die Bebauung der Domänenfelder verhindern

Tatsächlich waren es die Freunde der Domäne Dahlem, die 1976 verhindern konnten, dass die Domänenfelder bebaut werden. 33 engagierte Berlinerinnen und Berliner hatten sich anfangs zusammengeschlossen, um das Stadtgut und seine 800-jährige Geschichte zu retten. Auf dem Gelände war ein Sportzentrum der Freien Universität geplant, später sollten Stadtvillen entstehen. Beide Projekte wurden dank des Widerstandes gegen die Bebauung nicht umgesetzt.

Berliner helfen: 50 Jahre Förderverein Domäne Dahlem

In dem alten Herrenhaus auf dem Gutshof der Domäne Dahlem ist ein Museum.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Nach seiner Gründung vor 50 Jahren übernahmen die Domänenfreunde als Trägerverein die Entwicklung der Domäne. Sie organisierten Marktfeste, bauten Landwirtschaft und Tierhaltung aus und entwickelten das Gut zu einem Kultur- und Bildungsort. 1979 konnten sie das Herrenhaus übernehmen und ab 1987 mit Fördergeldern des Senats renovieren und restaurieren. Seit 1989 ist es wieder als Museum und Treffpunkt für das Publikum geöffnet.

Nach der Stiftungsgründung wurde es ein reiner Förderverein

1995 kam die Domäne Dahlem zu der neu gegründeten Stiftung Stadtmuseum Berlin, die die Trägerschaft übernahm. Damit änderte sich auch die Aufgabe des Vereins, der ein reiner Förderverein wurde. Das operative Geschäft übernahm zunächst die Stadtmuseum-Stiftung, 2009 dann die eigenständige „Stiftung Domäne Dahlem – Landgut und Museum“, die endlich das Gelände langfristig als Museum und landwirtschaftlichen Betrieb sichern konnte.

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Damit hat der Verein heute vor allem die Aufgabe, die Domänenstiftung ehrenamtlich und finanziell zu unterstützen. 40 Euro kostet eine Mitgliedschaft pro Jahr, 60 Euro für Familien. Zu den Festen haben die Mitglieder freien Eintritt. Aber ohnehin sind sie bei den Veranstaltungen oft im Einsatz am eigenen Stand oder auf den Feldern. So hat Markus Wittchen zuletzt beim Erntefest das Feuer auf dem Feld betreut und geschürt. Monika Schmitt hat am Stand des Fördervereins Kräutersalz mit den Gästen hergestellt, das sie in kleinen Tütchen mitnehmen konnten, um es abends auf die frisch vom Feld geerntete Bratkartoffel zu streuen. Und Detlef Neumann hat die Kinder belustigt und als Zauberer das Kräutersalz verschwinden lassen. „Ich finde es toll, mit den Kindern am Stand zu basteln und Spaß zu haben“, sagt Neumann.

Berliner helfen: 50 Jahre Förderverein Domäne Dahlem

Mit dem E-Tuktuk, das über den Förderverein finanziert wurde, wird das Tierfutter zu den Ställen und Gehegen gebracht.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Sie sorgen aber auch dafür, dass nicht nur die Mitgliedsbeiträge, sondern auch Spenden reinkommen. Der Verein könne flexibel, ohne lange Anträge bei den Behörden, Geld zur Verfügung stellen für notwendige Anschaffungen, sagt die Vorsitzende Anke Otto. So geschehen zum Beispiel beim Kauf eines sogenannten Tuktuks. Das kleine gebrauchte E-Mobil kommt für den Tierfuttertransport zum Einsatz. Es rollt jetzt statt eines großen Traktors zu den Ställen und Gehegen.