Kloster Seligenstadt per App: Audio-Tour enthüllt verborgene Ecken
Eine neue Audio-Tour führt Besucher des Klosters Seligenstadt durch zehn Stationen. Dabei taucht sogar eine verborgene Durchreiche auf, durch die Mönche einst Bedürftige mit Speisen versorgten.
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Stand: 17.10.2026, 08:00 Uhr
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Eine neue Audio-Tour führt Besucher des Klosters Seligenstadt durch zehn Stationen. Dabei taucht sogar eine verborgene Durchreiche auf, durch die Mönche einst Bedürftige mit Speisen versorgten.
Seligenstadt – Über die „Kulturschätze“-App der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (SG) starte ich die Führung. Sie beginnt vor dem Laden im weitläufigen Klosterhof. Zehn Stationen werden mich von hier aus über nahezu das gesamte Klostergelände führen. Die prunkvollen Gebäude, die ich vor mir sehe, stammen zum Großteil aus dem Barock, wie mir eine Männerstimme über meine Kopfhörer erklärt. Im 30-jährigen Krieg war die Klosteranlage mehrfach geplündert und teilweise zerstört worden. Im 17. und 18. Jahrhundert baute man sie wieder auf.

Fast 1.000 Jahre lang lebten in diesen Gebäuden die Benediktinermönche nach strengen Regeln. Und fast alles, was sie zum Leben brauchten, stellten sie innerhalb der Klostermauern her. Was genau, werde ich an den nächsten Stationen noch genauer erklärt bekommen.
Die Audio-Tour
Laut Schlösserverwaltung ist das Kloster einer ihrer besucherstärksten Standorte. Die Hörführung soll die klassischen Führungen ergänzen und besonders älteren Jugendlichen und Erwachsenen seine Geschichte näherbringen. Die Hörführung gibt’s über die „Kulturschätze“-App der SG in den gängigen App-Stores. Seit Juni sei sie bereits 500 Mal aufgerufen worden. Künftig soll es auch eine Version in einfacher Sprache geben.
Brei und Suppe für Bedürftige
Doch zuerst geht es ein paar Meter zurück in Richtung Pforte. Denn einer darf beim Kloster-Rundgang nicht fehlen: Einhard. Mit Blick auf die Basilika höre ich der Sprecherin zu, die mir die Geschichte vom Berater und Biografen Karls des Großen erzählt, die vielen Seligenstädtern nicht nur wegen des von ihm gegründeten Klosters, sondern auch wegen Einhards Einfluss auf die gesamte Stadt wohlbekannt ist.
An der übernächsten Station wird deutlich: Selbst nach hunderten Malen, die ich bereits im Kloster unterwegs war, habe ich offenbar noch nicht alles gesehen. Vorbei an der Prälatur, in der der Abt lebte und in prunkvollen Räumen Gäste empfing, stehe ich neben dem Eingang zur Klosterküche. Die steinerne Luke mit dem grauen Holzbrett darin ist mir bisher nie aufgefallen. Dabei war sie wohl für viele Menschen von lebenswichtiger Bedeutung: Durch diese Durchreiche, so wird mir hier erzählt, haben Bedürftige von den Mönchen etwas zu essen bekommen. Einfache Speisen wie Brei und Suppe natürlich – und auch nur so viel wie nötig. Das wird mit der Inschrift im Holz deutlich.
Ich gehe weiter, vorbei am Regio-Museum, durch das steinerne Tor in den Konventgarten, wo von Bedürftigkeit nichts mehr zu sehen ist. Der im 20. Jahrhundert rekonstruierte Garten passt zu den Gebäuden aus der Barockzeit hinter mir. Klare Linien, Wege, die sich im rechten Winkel kreuzen, Blumen, Obstbäume und kleine, akkurat geschnittene Hecken, die die Beete umranden. Die „göttliche Ordnung“ habe sich für die Menschen damals in dieser gestalteten Natur widergespiegelt, höre ich durch meine Kopfhörer. Auf meinem Smartphone wird die Abbildung eines Stichs von Johann Stridbeck aus dem 18. Jahrhundert angezeigt. Er diente als Vorlage für die Rekonstruktion des Gartens.
Während ich die Wege entlanglaufe, sind die Klostergärtner dabei, die niedrigen Büsche zu schneiden. Auf einem Holzbalken liegt die Heckenschere auf. So entsteht beim Schneiden eine gerade Kante. Die Akkuratesse des Barocks soll schließlich auch heute noch zu sehen sein.
Zwischen den Rasenflächen, auf denen zu Klosterzeiten Gemüse angebaut wurde, hindurch, leitet mich der Rundgang an den Rand des Klostergartens. In den Beeten an der Seite der Orangerie wachsen Salat und Grünkohl. Denn der Konventgarten war nicht nur Zier-, sondern auch Nutzgarten der Mönche. Ihre Selbstversorgung war auch das Ergebnis des Obst- und Gemüseanbaus an dieser Stelle.

Ihr Wissen über den Anbau hielten die Mönche schriftlich fest, erklärt mir die Sprecherin in meinem Ohr. Auch über die vielen Heilpflanzen, die ein paar Stufen höher im Apothekergarten wachsen. Nach ihrer Wirkung geordnet, wurden aus den Pflanzen in der klostereigenen Apotheke Heilmittel hergestellt. Die Apotheke kann bei einer öffentlichen Führung besichtigt werden. Für die Audio-Tour bleibt sie verschlossen.
Stattdessen geht es für mich zurück in den Klosterhof. Dorthin, wo einst der Breitenbach in Richtung Klostermühle floss. Mit einer kleinen Steinmauer umrandet, erinnert ein Teil der großen Grasfläche an ein einmal da gewesenes Gebäude, das die Welt der Mönche vom Wirtschaftshof, oder auch „Vieh-Hof“, trennte. Am Taubenhaus vorbei, das heute noch an diese Zeit erinnert, geht es zurück zur Klostermühle. Dort endet für mich der knapp 30-minütige Rundgang, an dessen Ende ich – trotz vieler Berichte über das Kloster – noch einmal um einige Erkenntnisse reicher bin.