Lutherkirche bröckelt: Sanierung von Kassels höchstem Turm kostet drei Millionen Euro

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Lutherkirche bröckelt: Sanierung von Kassels höchstem Turm kostet drei Millionen Euro

Stand: 17.10.2026, 08:00 Uhr

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Höhenkletterer am  Lutherkirchturm, Lutherkirche, Lutherturm, LutherplatzSusanne Reuter (scharze Jacke) Tim Friesenhagen (gelbe Jacke)Foto: Andreas Fischer / Skypic

In luftiger Höhe unterwegs: Industriekletterer am Lutherturm prüfen die undichten Stellen an der Fassade. An Kassels höchstem Gebäude ist eine umfassende Sanierung nötig. © Fischer, Andreas/Andreas Fischer

Industriekletterer untersuchen seit einer Woche den 76 Meter hohen Lutherturm in Kassel. Ein abgebrochenes Stück der Balustrade zeigt, wie gefährlich der Zustand ist.

Kassel – Um Kassels höchstes Gebäude langfristig zu erhalten, ist definitiv eine umfassende und teure Sanierung notwendig. Denn am 76 Meter hohen Lutherturm fängt es allmählich an zu bröckeln. Wegen anhaltender Feuchtigkeit ist es an dem historischen Kirchengebäude aus dem 19. Jahrhundert zu undichten Stellen im Mauerwerk gekommen. Industriekletterer verschaffen sich seit etwa einer Woche einen genauen Überblick über die Schäden. Wie und wann genau es dann weitergeht, steht bisher noch nicht fest. Allerdings wissen Stadtkirchendekan Michael Glöckner und Katrin Dobrowolski vom evangelischen Stadtkirchenkreis schon jetzt: Allein für die äußere Fassade würden mehr als drei Millionen Euro anfallen. Ohne Fördergeld wird das nicht funktionieren.

Höhenkletterer am  Lutherkirchturm, Lutherkirche, Lutherturm, LutherplatzSarah-Theresa BeckerFoto: Andreas Fischer

Aus der Balustrade herausgebrochen: Steinrestauratorin Sarah-Theresa Becker zeigt, wie schadhaft der Turm stellenweise ist. © Fischer, Andreas/Andreas Fischer

Trotzdem ist für Steinrestauratorin und Industriekletterin Sarah-Theresa Becker, die mit drei Kollegen aus Marburg vor Ort ist, unstrittig: „Es ist keine Option, ein solches Gebäude nicht zu erhalten. Das ist ein Stück Stadtgeschichte.“ Auch Dekan Glöckner findet: „Kirchen sind mehr als nur historische Gebäude. Sie sind ein Zeichen von Hoffnung. Ihre Pflege kostet Geld.“ Die Kirche, die im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört wurde, wird nicht mehr als Gemeindekirche, sondern vor allem als Cross-Jugendkulturkirche genutzt. Sie gilt zudem als wichtiges Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung.

Becker ist begeistert vom historischen Wert des Turms. „Wir entdecken hier sehr spannende Befunde. An den Fenstern sind Reste von Bleiverglasungen und Kitt mit Tierhaaren zu finden.“ Sie zeigt außerdem ein recht großes, abgebrochenes Stück aus der Balustrade: „Das konnten wir einfach so herausnehmen. Genauso gut hätte es herunterfallen können.“ Umso wichtiger sei es, nun tätig zu werden.

Der Bereich rund um die Kletterer ist abgesperrt. Immer wieder hört man das Schaben der Spachtel, hier und dort ein Hämmern. Außerdem bröselt immer wieder etwas auf den Boden. Auf den empfindlichen Sandsteinen an der Fassade haben sich dunkle Krusten gebildet. Becker erklärt: „So kann der Stein nicht mehr atmen.“ In mehreren Bauabschnitten müsste die Fassade unter anderem gereinigt werden, außerdem sei eine Verfugung mit kalkbasiertem Mörtel notwendig.

Die Lutherkirche ist nicht die einzige in Kassels Innenstadt, an der etwas passieren muss. Nicht zu übersehen ist auch der dringende Sanierungsbedarf an der Martinskirche und an der Brüderkirche.

Industriekletterer sind immer mal wieder an und auf Kassels Wahrzeichen unterwegs. Zuletzt kümmerten sie sich auch um die Reinigung der Fenster am Herkules-Denkmal im Bergpark. Katrin Dobrowolski erklärt: „Die Zugänge zum Gebäude sind eingeschränkt.“ Man könne kein schweres Gerät aufstellen, da sich unter dem Bauwerk viele Grüfte befinden. Daher seien die Kletterer eine gute Alternative. Damit sie nicht regelmäßig in luftiger Höhe einen Schrecken bekommen, wurden die großen Glocken übrigens temporär außer Betrieb genommen.

Unzufrieden mit den Arbeiten ist trotzdem einer, für den der Lutherturm ein wichtiger Ort ist. „Ein Falke, der hier lebt, hat sich schon beschwert“, sagt Dobrowolski. Man habe aber extra gewartet, bis die Brutzeit vorbei ist.